Naturkatastrophen Doppelter Schrecken

Die Verteilung von Naturkatastrophen über den Globus ist alles andere als gerecht: Einige Regionen sind geradezu geplagt von Erdbeben und Vulkanausbrüchen - leider häufig gerade Gebiete, die eng besiedelt sind. In Sumatra etwa, wo durch den Tsunami von 2004 zehntausende Menschen den Tod fanden, könnte es laut einer aktuellen Untersuchung schon bald zu einer vergleichbaren Naturkatastrophe kommen.
  • Maria Hirsch
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Der Tsunami des Jahres 2004 setzte an der Küste Sumatras weite Gebiete unter Wasser. Wissenschaftler fürchten, dass die Naturkatastrophe nur der Auftakt zu einer Reihe ähnlicher Ereignisse gewesen sein könnte. Foto: dpa

Der Tsunami des Jahres 2004 setzte an der Küste Sumatras weite Gebiete unter Wasser. Wissenschaftler fürchten, dass die Naturkatastrophe nur der Auftakt zu einer Reihe ähnlicher Ereignisse gewesen sein könnte. Foto: dpa

HEIDELBERG. Seismografen der ganzen Welt brachten am 22. Mai 1960 einen der traurigen Rekorde in der Geschichte der Naturkatastrophen auf Papier: Das gewaltigste Erdbeben der Moderne erschütterte mit einer Magnitude von 9,5 Chile. Die seismischen Wellen breiteten sich durch den gesamten Globus aus und entfesselten einen Tsunami, der noch im weit entfernten Hawaii und in Südafrika auf die Küsten schlug und rund 3 000 Menschen das Leben kostete.

Das Beben entsprang tief unterhalb der Erdoberfläche durch die Kollision tektonischer Platten, wodurch eine Energie vergleichbar mit Millionen von Nuklearbomben freigesetzt wurde. Nur 38 Stunden später begann der Vulkan Cordón Caulle im Landesinneren Lava zu spucken - nur ein Zufall?

Schon Charles Darwin spekulierte über die Wechselwirkung von Erdbeben und Vulkanausbrüchen, die vielerorts ins Auge springt. So brach beispielsweise der Kilauea auf Hawaii 1975 aus, nur wenige Stunden nachdem ein Beben in der Nähe den Boden zum Wanken brachte. Effekte über größere Entfernungen und Zeiträume hinweg betrachtete die Forschungswelt jedoch bislang als zufällig.

Um diese Meinung zu widerlegen, wälzte der Vulkanologe Sebastian Watt mit zwei Kollegen der University of Oxford historische Aufzeichnungen beginnend im Jahr 1850, die Beben und Eruptionen der südlichen Vulkanzone der Anden schildern. Die mühsame statistische Auswertung des Forschers erwies sich als aufschlussreich: Vulkane der gesamten Region brachen nach großen Erdbeben viermal häufiger aus als sonst. Der Effekt hielt etwa ein Jahr nach den Ereignissen an und wirkte sich bis auf Vulkane in 500 Kilometer Entfernung aus.

Der Wissenschaftler wählte gerade diese Region, da sich entlang 3 200 Kilometern der chilenischen Küstenlinie eine Plattengrenze befindet, die für außergewöhnlich starke Beben sorgt: Die Nazca-Platte schiebt sich mit einer Geschwindigkeit von 8,4 Zentimetern pro Jahr unter den westlichen Rand des südamerikanischen Kontinents.

Dadurch verursachte seismische Wellen können Eruptionen auslösen, indem sie Magmenkammern unterhalb von Vulkanen aufwühlen. Unterirdischer Druck quetscht zähflüssiges Magma durch schmale Kanäle nach oben - ein Effekt wie in einer Zahnpastatube -, was die Lava schließlich an der Oberfläche aus einem Vulkankrater schleudert. Die Unruhe im Erdinneren wirkt allerdings nicht plötzlich: Zunächst muss sich genügend Druck bilden, damit die Gesteinsschmelze Richtung Oberfläche aufsteigt. Zwischen Beben und Vulkanausbruch können somit einige Monate verstreichen.

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