Naturkosmetik
Tang für den Teint

Levent Piker ist der erste Öko-Bauer, der in der Ostsee eine Unterwasserfarm bewirtschaftet. Seine Ernte besteht aus Braunalgen, genauer gesagt aus Zuckertang. Mit diesem Naturprodukt möchte der Meeresbiologe den Kosmetikmarkt erobern.

Als stinkendes Gestrüpp kommen sie einem bei Spaziergängen am Meer in die Quere: Braunalgen – lang und lappig. Den Glibber nur anzufassen, wäre schon eine schlimme Vorstellung. Ihn ins Gesicht schmieren? Der pure Horror. Da hilft auch der hübsche Zweitname nichts: Zuckertang.

Levent Piker sieht das anders, von Berufs wegen. Der Kieler Meeresbiologe schätzt die inneren Werte des Gewächses. „Wir machen daraus einen Extrakt, der es in sich hat“, sagt Piker. Mit seiner Firma Ocean Wellness – kurz O’Well – sorgt der 43-Jährige dafür, dass die vitalisierenden Wirkstoffe aus der Laminaria Saccharina in Tiegel und Töpfchen wandern.

Vor Kiels Küste betreibt er Deutschlands erste und einzige Unterwasser- Algenfarm. Mit den dort geernteten Gewächsen will Piker in der Kosmetikbranche Akzente setzen. „Die Algenwirkstoffe fördern die Durchblutung, pflegen die Haut und spenden Feuchtigkeit“, sagt Piker – und trifft damit ziemlich genau den Nerv einer naturverbundenen Kundschaft, die in der Apotheke auch mal 13 Euro für ein kleines Massageöl ausgibt.

Normalerweise werden Kosmetiktrends in Metropolen wie Paris oder New York gesetzt – manchmal aber auch in einer ehemaligen Schiffsmotoren-werkstatt in Kiel-Holtenau. Wer in die Labors von O’Well schauen will, geht einfach den Tiessenkai fast bis zum Leuchtturm raus. Dahinter kommt nur noch Wasser, der Firmensitz im nostalgischen Hafenambiente ist also kaum zu verfehlen. Mit Blick auf Schleusen und schaukelnde Boote erforschen und züchten die 15 O’Well-Mitarbeiter den Rohstoff für ihre Naturkosmetiklinie. Das Büro ähnelt einer Taucher-WG: In Plastikwannen blubbert Wasser, gleich nebenan hängen Gummipellen und Atemgeräte.

Als Piker die Firma 2001 mit vier Gleichgesinnten gründete, war alles andere als klar, ob die Geschäftsidee mit der Algenkosmetik trägt. Man wusste nur anhand eigener Forschungen, dass sich Braunalgen theoretisch in der Ostsee züchten lassen. Von der ursprünglichen Motivation ist Piker mit seinem Team bis heute nicht abgewichen: „Wir wollten zeigen, dass man mit einer nachhaltig bewirtschafteten Aquakultur Geld verdienen kann.“ Mit Algenkosmetik gelingt das: O’Well hat die Millionen- Euro-Umsatzschwelle erreicht und wächst weiter. Doch das soll nicht auf Kosten der Ressource Meer funktionieren: „Es werden nur Algen geerntet, die wir selbst gezüchtet haben“, betont Piker. Denn Zuckertang ist in der Natur rar geworden.

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