Naturwissenschaften
Wählerische Blutsauger

Die Suche nach dem ultimativen Schutzmittel vor Stechmücken führt zu Erkenntnissen über den menschlichen Schweiß. Denn ob man von den kleinen Plagegeistern befallen wird oder nicht, hängt nicht - wie bislang gerne geglaubt - vom Geschmack des Blutes ab.

DÜSSELDORF. Mücken-Weibchen sind wählerische Biester. Nicht jedem Tier und auch nicht jedem Menschen saugen sie gerne Blut ab. Manch ein potenzielles Opfer ist schon nach wenigen Minuten am schattigen See von kleinen roten Quaddeln übersäht, die unerträglich jucken, ein anderer wird scheinbar grundlos verschont. "Ich hab? eben süßes Blut", tröstet sich der Zerstochene. Doch die wahren Hintergründe der Opferwahl blieben lange unerforscht.

Der Zweck des ungefragten Blutabzapfens durch so genannte "hämatophage" Insekten-Weibchen ist - wie fast immer in der belebten Natur - die Fortpflanzung. Um nämlich die Eier vor der Ablage reifen zu lassen, müssen sie sich den Bauch mit dem Blut von Wirbeltieren voll schlagen, um das benötigte Protein zu erhalten. Den Juckeffekt erzeugt die winzige Menge Speichel, die sie vor dem Saugen durch den Rüssel in die Haut des angezapften Opfers spritzen. Der Mücken-Speichel enthält einen Stoff, der die Gerinnung des Blutes verhindert und es so gut trinkbar hält. Von männlichen Mücken und Bremsen haben wir Warmblüter dagegen nichts zu befürchten. Sie ernähren sich rein vegetarisch von Früchten. Nur bei Stechfliegen saugen auch die Männchen Blut.

Ob man nun von den kleinen Plagegeistern befallen wird oder nicht, hängt aber nicht vom Geschmack des Blutes ab. Auf den Schweiß kommt es an, genauer gesagt auf dessen Geruch. "Wir wissen schon länger, dass Blut saugende Insekten auf menschliche und tierische Gerüche reagieren", sagt der Biologe James Logan vom Landwirtschaftlichen Forschungszentrum Rothamsted nördlich Londons. Die in Schweiß vorkommende Milchsäure etwa macht ihnen im Verbund mit anderen Stoffen großen Appetit. Doch scheint der Milchsäureduft nicht bei allen Schwitzenden gleichermaßen dominant zu sein. Bekanntermaßen sind die Duftnoten von Menschen und anderen Tieren individuell verschieden. Logan und sein Kollege John Pickett untersuchten zunächst Rinderherden, in denen sie Tiere ausmachen konnten, die eindeutig weniger von Insekten geplagt wurden als andere. Offensichtlich können andere Geruchsstoffe den lockenden Effekt überlagern. "Die Hypothese lag nahe, dass bei Menschen die gleichen Mechanismen wirken", sagt Logan.

Seite 1:

Wählerische Blutsauger

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%