Navigationssystem
3D-Animation als Wegweiser

Björn Clausen und Adrian Zentner haben etwas gegen Orientierungslosigkeit: Ihr digitales Navigationssystem zeigt Besuchern in komplexen Gebäuden per 3D-Animation, wo es lang geht. Die Erfindung der beiden Berliner Studenten könnte schon bald deutsche Handys erobern.
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BERLIN. Ob Wüste oder Großstadt-Dschungel – moderne Navigationssysteme decken die Welt metergenau ab. „Aber sobald man eine Klinke in die Hand nimmt, ist man alleine gelassen“, sagt Björn Clausen. „In Gebäuden bleibt einem zur Orientierung meist nur ein schwer verständlicher Übersichtsplan oder blödes Herumfragen.“ Der promovierte Geograph sorgt für Besserung: Er hat mit dem Ingenieur Adrian Zentner ein Navigationssystem für Gebäude entwickelt. Der Besucher erhält die Wegbeschreibung als 3D-Animation.

Clausen setzt auf virtuelle Realität – für ihn die „modernste Form der Kartographie“. Ähnlich wie in einem Ego-Shooter-Spiel bewegt sich der Betrachter durch virtuelle Gänge und über Treppen. Auf Knopfdruck kann er in die Vogelperspektive wechseln und sich so einen Überblick über das Gebäude verschaffen. Die beiden Perspektiven kämen der menschlichen Wahrnehmung von Rauminformationen optimal entgegen: „Die Wegbeschreibungen sind so eingängig präsentiert, dass der Nutzer glaubt, schon mal dort gewesen zu sein.“

Einkaufszentren, Bahnhöfe oder Behörden setzen bislang auf Terminals, an denen sich die Kunden selbst informieren können. Solche Kiosksysteme gelten als Wachstumsmarkt – die Fachmesse „Kiosk Europe“ für Selbstbedienungsterminals vermeldet ein jährliches Umsatzplus von 30 Prozent für solche Systeme. Hier wollen die beiden Gründer mit ihrer Firma 3D-Berlin ansetzen: Der 3D-Guide sei mit gängigen Infoterminals kompatibel. Allein in Deutschland geht Clausen von rund 5 000 potenziellen Abnehmern aus.

Die Gründer sehen sich um Jahre voraus: Die Konkurrenz mit alternativen Gebäudeleitsystemen setze auf 2D- oder bestenfalls „Pseudo-3D-Darstellungen“, sagt Clausen. Anders das Konzept der beiden Berliner: Ihre Software greife in Echtzeit auf ein 3D-Modell des jeweiligen Gebäudes zurück und werfe „ruckelfrei und ohne Verzögerungen“ die digitale Wegbeschreibung aus, sagt Clausen.

Die Idee kam per Zufall: 1996 kramt der Geographiestudent ein Buch über Internet-3D-Technik aus einer Bücherkiste im Kaufhof. „Schlagartig hatte ich das Gefühl, dass eine neue Zeit anbricht“, sagt der 43-Jährige. Clausen spezialisiert sich auf Kartographie, promoviert mit Auszeichnung über 3D-Navigationssysteme und gründet eine 3D-Arbeitsgruppe – zunächst noch ohne geschäftliche Hintergedanken. Seinen Mitstreiter Zentner, ebenfalls Student, kannte Clausen schon länger und wusste um dessen Fähigkeiten in der 3D-Programmierung. Als das Wirtschaftsministerium Clausen Gründungsförderung zusagt, ruft er seinen Bekannten an. Zentner zögert nicht, als Partner einzusteigen – und lässt dafür einen möglichen Posten als Softwareentwickler bei EADS sausen.

Was die beiden eint, ist die Begeisterung für die Sache. Dabei könnte ihre Ausstrahlung gegensätzlicher kaum sein: Zentner, mit 33 Jahren der eifrige Jungspund, Clausen, der alte Hase, der sich am Konferenztisch locker zurücklehnt, die Arme verschränkt und Kaugummi kaut.

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