Navigationssystem Galileo
Europas teure Baustelle im All

Das europäische Satellitennavigationssystem Galileo nimmt nur langsam Gestalt an. Am Freitag will die Esa zwei weitere Satelliten ins All bringen, doch auch danach bleibt Galileo erst einmal eine teure Baustelle.

BerlinWie man einen veritablen Fehlschlag für Europas Raumfahrt noch in wertvollen wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn umwandeln kann, haben Forscher der Universität Bremen vor wenigen Tagen demonstriert. Sie kündigten an, zwei fehlgeleitete Satelliten des europäischen Navigationssystems Galileo nutzen zu wollen, um Einsteins Relativitätstheorie einem Praxistest zu unterziehen.

Die beiden Himmelskörper hatten im vergangenen Jahr nicht die vorgesehene Umlaufbahn erreicht und waren damit für das Galileo-Projekt verloren. Ihre jetzige, deutlich exotischere Bahn um die Erde macht sie nun immerhin zum passenden Experimentiergerät für die Grundlagenforschung.

Den herben Rückschlag für die europäischen Träume von einem eigenen Satellitennavigationssystem kompensiert das natürlich kaum, und so dürfte nicht nur im Bodenkontrollzentrum der ESA in Darmstadt die Anspannung groß sein, wenn am Freitag gegen 4 Uhr MESZ zwei weitere Galileo-Satelliten von europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch Guayana auf die Reise ins All geschickt werden.

Verläuft alles nach Plan, werden dann 10 Galileo-Satelliten die Erde umkreisen. Zwei weitere Galileo-Bausteine sollen noch in diesem Jahr starten, seine endgültige Ausbaustufe mit dann insgesamt 30 Satelliten wird das Navigationssystem 2020 erreichen.

Dann verfügt Europa über ein im Vergleich zu konkurrierenden Systemen wie dem amerikanischen GPS oder dem russischen Glonass deutlich genaueres Navigationssystem. Muss beim GPS etwa mit Ungenauigkeiten bis zu 10 Metern gerechnet werden, soll dieser Wert bei Galileo im kostenfreien offenen Dienst nur bei etwa vier Metern liegen. Wer sich den kostenpflichtigen Commercial Service (CS) leistet, wird von Galileo sogar mit einer Genauigkeit von unter einem Meter ans Ziel befördert.

Kritische Startphase

Neben dem offenen Dienst und dem verschlüsselten CS sind zudem ein eigener Dienst für staatliche Einrichtungen wie Polizei und Küstenwache, ein Safety-of-Life genannter Dienst für Luft-, See- und Schienenverkehr sowie ein System zur Ortung von Notsendern geplant. Bis zu sechs Milliarden Euro lassen sich die ESA-Mitgliedsländer diesen Service kosten.

Bei so viel Geld möchte sich niemand aus dem Galileo-Kontrollteam am Freitag fragen lassen, was diesmal schiefgelaufen ist. Damit die besonders kritische Start- und frühe Orbitalphase (LEOP = Launch and Early Orbit Phase) ohne Pannen gemeistert wird, haben Experten der ESA und der französischen Raumfahrtagentur CNES die sensiblen Abläufe in etlichen Simulationen durchgespielt. „Das gesamte Team ist extrem motiviert. Wir sind bereit für den Start“, so Paolo Ferri, Head of Mission Operations bei der Esa.

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Erste Anwendungen erst Ende 2016

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