Neu entwickelte Flüssigkeit
Chemikalie spürt Verdächtige auf

Mit Hilfe von leuchtenden Markern überwachen Sicherheitskräfte großflächige Gelände aus der Luft.

DÜSSELDORF. Großereignisse wie ein Castor-Transport, Staatsbesuch oder Fußball-Länderspiel bringen tausende Menschen auf die Straßen – darunter hunderte Sicherheitskräfte auf Patrouille zur Terrorabwehr. Das Dilemma der Polizisten: Je größer das Gelände, desto schwieriger wird ihre Aufgabe. Denn in einem großen Areal lässt sich leicht etwas so kleines wie eine Rucksackbombe verstecken – die Suche nach einer Bombe entlang eines Schienenstrangs, einer Straße oder rund um ein Stadion gleicht einer Jagd auf die Nadel im Heuhaufen. Ein neues Sicherheitssystem kann den Beamten die aufwändige und gefährliche Aufgabe erleichtern. Entwickelt hat es der Chemiekonzern Lanxess, und eine Chemikalie spielt dabei die Hauptrolle.

Die neu entwickelte Flüssigkeit – Formel streng geheim – wird zunächst in dem zu überwachenden Gelände großflächig versprüht. Das ist nach Herstellerangaben für Lebewesen unbedenklich. Für das menschliche Auge ist die Flüssigkeit unsichtbar, nicht jedoch für die mit Laserlicht arbeitende Kamera, die von einem Hubschrauber aus detaillierte Bilder der Landschaft aufzeichnet.

Direkt nach der Sprühaktion filmt sie das Gelände ein erstes Mal – wie ein lückenloser Teppich erscheint die leuchtende Chemikalie auf dem Computerbildschirm. Dann, Tage oder Wochen später, kurz bevor es ernst wird, erscheint das fliegende Auge ein weiteres Mal und dreht seine Runden: Das Kamerabild vergleicht die Aufnahme mit der früheren und offenbart, an welchen Stellen im Gelände sich inzwischen etwas verändert hat.

„Auffällige Stellen, die auf eine Manipulation hinweisen, können dann sofort den Sicherheitskräften zur Überprüfung gemeldet werden“, sagt Norbert Donkels, bei Lanxess für das Projekt verantwortlich. „Wenn Manipulationen stattfinden, werden zwangsläufig Steine bewegt“, sagt er. Die umgedrehten Steine fallen auf, da an der Unterseite keine lumineszierende Chemikalie haftet.

Die sichtbar gemachten Veränderungen sind Hinweise, denen weiterhin Beamte zu Fuß nachgehen müssen. Noch ist das System nirgendwo im Einsatz. Lanxess hat es gerade erst auf dem Testgelände des Rüstungskonzerns Rheinmetall in der Lüneburger Heide getestet und vorgestellt – es könnte bisherige Verfahren wie Gullydeckelversiegelung und Briefkastendemontage sinnvoll ergänzen. „Ein Vorteil könnte darin liegen, dass nur noch erkannte, weil veränderte und dadurch auffällig gewordene Bereiche kontrolliert werden müssen und nicht mehr wie sonst das ganze Areal oder die ganze Strecke“, sagt Lutz Hansen, Berliner Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK). „Damit reduziert sich der für die Nachschau erforderliche Personalaufwand.“

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