Neuartige Beschichtung
Tapete schützt vor Elektrosmog

Ob hochfrequente Strahlen tatsächlich die Gesundheit gefährden ist nicht sicher. Denkbar ist es zumindest. Eine neue Beschichtung aus Eisenpulver schützt vor Strahlung wie sie zum Beispiel bei UMTS-Handys, WLAN-Funknetzen, Satelliten-TV oder Radar für Verkehrs- und Luftüberwachungen genutzt werden.

ap ILMENAU. An der Farbe muss der Wissenschaftler noch arbeiten. Das dunkle Braun macht sich nicht so gut an Wohnzimmerwänden. Aber das ist noch das kleinste Problem. Bernd Halbedel stört viel mehr, dass sich die Partikel elektromagnetisch anziehen. Eine gleichmäßige Beschichtung des Papiers ist noch nicht möglich. Der Werkstofftechniker der Universität Ilmenau entwickelt eine Tapete, die gegen hochfrequente Strahlung schützt, wie sie zum Beispiel bei UMTS-Handys, WLAN-Funknetzen, Satelliten-TV oder Radar für Verkehrs- und Luftüberwachungen genutzt werden.

Um diesen Schutz zu erreichen, wird Papier mit modifiziertem Ferritpulver beschichtet. Dieses spezielle Eisenpulver wird durch Glaskristallisationstechnik hergestellt. Es könne die Strahlen absorbieren und damit die Intensität der Wellen reduzieren, sagt Halbedel. Die Energie wandelt sich in kaum spürbare thermische Energie um.

Der Preis der neuen Tapete steht noch nicht fest. „Sie wird auf alle Fälle teurer sein als Erfurter Raufaser“, sagt Halbedel. Das Ferritpulver wird in einer 100 bis 500 Mikrometer dicken Schicht auf die Tapete aufgebracht. Die Wissenschaftler wollen das Pulver künftig für 100 Euro pro Kilogramm anbieten. „Derzeit sind die Produktionskosten noch teurer“, sagt Halbedel. Normales Ferritpulver ist für zehn Euro pro Kilo zu haben. Es kann aber Strahlen nicht absorbieren.

Für die großtechnische Produktion des Pulvers steht eine Firma bei Jena zur Verfügung. Am Papiertechnischen Institut in München wird das Pulver auf das Papier gebracht. Ende nächsten Jahres soll die Tapete erstmals in einem neugebauten Haus getestet werden. Eine Fertighausfirma stellt ein Haus zur Verfügung. Antennen werden dann messen, wie viel Strahlung drinnen ankommt und wie viel Strahlung nach außen dringt. In drei bis fünf Jahren könnte die Tapete dann für Jedermann zu kaufen sein. Halbedel rechnet damit, dass sein Produkt vor allem im ökologischen Hausbau Verwendung findet.

Ob hochfrequente Strahlen tatsächlich die Gesundheit gefährden ist nicht sicher. Bislang gibt es dafür nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) keine Hinweise. Die öffentliche Diskussion dazu wird jedoch teils heftig und größtenteils unwissenschaftlich geführt. Deshalb läuft seit 1996 bei der WHO ein großes Forschungsprojekt zu den gesundheitlichen Auswirkungen technischer Strahlung.

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