Neuartiges Raumgefährt
Plastikballon soll Raumsonde ersetzen

Ein Ballon soll die Marsoberfläche erkunden. Das plant die deutsche Mars Society Deutschland, eine Vereinigung von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Laien zur Unterstützung der Weltraumforschung. Bei dem sogenannten Projekt „Miriam“ wird der Ballon aus Plastik in den erdnahen Weltraum geschossen und fällt dann zurück zur Erde.

HB MÜNCHEN. Am Dienstag kommender Woche werden Wissenschaftler auf dem Raketentestgelände bei Kiruna in Nordschweden den Prototypen des mit Helium gefüllten Ballons in den Weltraum schicken. Er soll erstmals anstelle einer Sonde aus dem All zu Boden schweben und bei seinem langsamen Sinken Daten in der Atmosphäre einsammeln.

Bei dem sogenannten Projekt „Miriam“ wird der Ballon aus Plastik zuerst einmal nur in den erdnahen Weltraum geschossen und fällt dann zur Erde zurück. „Es ist der erste Versuch weltweit, mit einem im Weltraum aufgeblasenen Ballon einen Eintritt in die Atmosphäre zu fliegen“, sagt der Chefingenieur und Projektleiter Hannes Griebel vom Institut für Raumfahrttechnik an der Universität der Bundeswehr München.

Der Ballon fliegt Huckepack auf einer Höhenforschungsrakete. In rund 100 Kilometern Höhe wird er von der Rakete getrennt und fliegt weiter nach oben. Bis er sich entfaltet hat und aufgeblasen ist, erreicht er rund 180 Kilometer Höhe. Mit einer Überschall-Geschwindigkeit von 5 400 Stundenkilometern tritt er dann in die Atmosphäre ein, wird aber durch seine Form rasch gebremst, bis er wenige Minuten später in einem eigens abgesperrten Gebiet nördlich von Kiruna landet. Drei Bordcomputer haben während des Flugs Kontakt zur Bodenstation und senden Bilder und Daten. Konzipiert wurde das neue Raumfahrzeug von der Bundeswehr-Universität.

„Miriam“ ist der Testlauf für den künftigen Mars-Ballon „Archimedes“. Dieser soll im Jahr 2011 zum Mars starten. Er könnte, so die derzeitige Planung, auf einer Ariane-Rakete mitreisen und nach eineinhalbjährigem Flug über Millionen von Kilometern zum Marsboden schweben. Dabei sollen eine hochauflösende Kamera und andere Messinstrumente in einer Gondel unter dem Ballon Fotos machen und Wetterdaten erheben: Temperatur, Druck und Feuchtigkeit in der im Vergleich zur Erde dünnen Mars-Atmosphäre. „Im Gegensatz zum Mond verfügt der Mars über eine Atmosphäre, in der Winde wehen, sich Sandstürme bilden und in der es schneit“, erläutert Griebel.

Der Ballon hat eine Hülle aus Polyimid. Der robuste Hochleistungskunststoff, mit 25 Mikrometer gerade so dick wie eine Teichfolie, verträgt bis zu 250 Grad Hitze – beim Eintritt in die Atmosphäre wird es laut Griebel maximal 220 Grad heiß. Der Ballon habe alle Funktionstests erfolgreich durchlaufen, erläutert der Physikstudent Andreas Maier, der am Bau mitgewirkt hat.

Bei dem Miriam-Projekt gehe nicht nur um die Daten, die der erste Ballon zur Erde funken könne, betont Griebel. Vielmehr solle ein neuer Typ von Raumgefährt geschaffen werden, der neue Forschungs- und Anwendungsmöglichkeiten eröffne. „Wir haben schon Anfragen von interessierten Wissenschaftlern, die das Ballon-System auf der Venus, zum Transport von Nutzlasten zur Erde und sogar zur Rettung von Astronauten nutzen wollen“, sagt Griebel. Ein Plastikballon, im Notfall rasch aufgepumpt, könnte unter Umständen in der ferneren Zukunft Raumfahrer in Not aus der Umlaufbahn der Erde auf den Boden zurückbringen – eine Art „Schlauchboot“ für den Weltraum.

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