Neue Erbgutstudie soll Verbreitungsgeschichte der Menschheit aufklären
Forscher zeichnen Weltkarte der Gene

In einem weltumspannenden Projekt haben Forscher jetzt begonnen, eines der größten Rätsel der Wissenschaft zu lösen: Sie wollen herausfinden, wie sich die Bevölkerung über die Erde verbreitet hat. Rund um den Globus sammeln Experten deshalb das Erbgut von mehr als hunderttausend Menschen.

MÜNCHEN. So wollen sie mit Hilfe der Gene eine Weltkarte über die Verbreitungsgeschichte der Menschheit zeichnen – angefangen von den Ursprüngen in Afrika bis heute. „Für die Anthropologie hat das Projekt dieselbe Bedeutung wie die erste Mondlandung für die Raumfahrt“, sagt Projektleiter Spencer Wells. Der Bevölkerungswissenschaftler hat auf allen Erdteilen Forscher für das Vorhaben gewonnen, die nun das Erbgut vor Ort sammeln. Wells: „Wir nutzen die Genetik, um Wissenslücken in der Anthropologie zu füllen.“

Im Mittelpunkt stehen dabei Naturvölker in Asien, Australien und Afrika. Dort ist das Erbgut über Hunderte von Generationen nahezu unverändert geblieben. 100 000 Blutproben werden die Experten in den nächsten fünf Jahren nehmen. Danach wird das Erbgut dieser Menschen analysiert und miteinander verglichen. So wollen die Forscher erkunden, welche Beziehungen es untereinander und zum Rest der Welt gibt.

Doch die Zeit drängt. Wells: „Immer mehr Menschen ziehen in andere Regionen der Welt, so dass sich die Erbgutinformationen untereinander vermischen.“ Der beste Zeitpunkt für das Projekt wäre bereits das Jahr 1 500 gewesen, ist der 36-Jährige überzeugt. Im Mittelalter habe es so viele Völker und Sprachen gegeben wie vor- und hinterher nicht.

Allerdings macht die moderne Informationstechnologie das Vorhaben heute erst möglich. Unterstützt wird Wells nicht nur von der US- Zeitschrift National Geographic, die das gesamte Vorhaben verwaltet und vermarktet. Vor allem der US-Computerbauer IBM engagiert sich. Der IT-Konzern speichert die vielen Millionen Daten und sorgt durch entsprechende Programme dafür, dass die Wissenschaftler sie in die richtige Beziehung setzen können. „So eine riesige Datensammlung gab es noch nie“, betont IBM-Forscher Sahaorn Rosset.

Die Experten nehmen aber nicht nur das Erbgut unter die Lupe. Die Leute werden auch zu ihrer Herkunft befragt, zu ihrer Kultur und Sprache. Zudem fließen archäologische Fakten in die Auswertung ein.

Doch auch in den Industrieländern sollen sich die Menschen beteiligen. Dabei werden Testpakete verkauft, mit denen jeder seinen eigenen Gentest machen kann. Hier ist keine Blutprobe erforderlich, sondern lediglich ein Stückchen Haut, das an ein Labor eingeschickt wird. Für 100 US-Dollar lässt sich solch ein Testpaket auf der Internetseite www.nationalgeographic.com/genographic bestellen. Medizinische Bereiche des Erbguts werden nicht untersucht.

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