Neue Erkenntnisse erwartet
Europas neuer Super-Satellit

Am Montag soll der europäische Satellit GOCE seine Reise in den erdnahen Weltraum antreten. Die High-Tech-Maschine, die mit ihrer unheimlich anmutenden Messgenauigkeit Wissenschaftler ins Schwärmen bringt, soll die „Täler und Hügel“ des Meeresspiegels erkunden - und so helfen, den Klimawandel besser zu verstehen.

DÜSSELDORF. Europa hat einen neuen Super-Satelliten: GOCE („Gravity Field and Steady-State Ocean Circulating Explorer“) soll das Schwerefeld der Erde etwa 100-mal genauer untersuchen, als das bisher aus dem Weltraum möglich war, und dabei selbst winzigste Schwankungen der Gravitation registrieren .

Was das bedeutet, macht der Leiter des Bereichs Flugdynamik der Europäischen Weltraumbehörde Esa, Uwe Feucht, mit einem Beispiel deutlich. „GOCE würde noch den Schub bemerken, den eine fallende Schneeflocke einem Hochseetanker gibt.“

Anhand der hochgenauen Gravitationsmessungen wollen Wissenschaftler eine ganze Reihe wichtiger Fragen klären. Denn die Anziehungskraft der Erde ist nicht überall gleich stark: Zum Beispiel variieren die Gravitationskräfte, je nachdem, ob man sie über großen Gebirgsmassiven oder den Weltmeeren misst – wobei sie über den Ozeanen geringer sind.

Dazu kommt die ungleichmäßige Masseverteilung im Erdinneren. So unterscheiden sich die einzelnen Erdschichten in ihrer Zusammensetzung, und auch innerhalb einzelner Schichten gibt es unterschiedliche Masseverhältnisse. Ebenso kann das Schwerefeld der Erde auch durch unterirdische Erdöl- oder Mineral-Vorkommen beeinflusst werden: Zum Beispiel ist Eisenerz schwerer als Erdöl. Auch starke Vulkanausbrüche oder massive Eisbedeckungen größerer Wasserflächen zeichnen sich im Gravitationsfeld ab. Selbst große Gebäude oder Gebäudekomplexe können unter Umständen minimale Spuren hinterlassen.

Solche Unterschiede sorgen zum Beispiel dafür, dass es bis heute weltweit keine einheitliche Meeresspiegelhöhe gibt, auf die sich alle Messungen beziehen könnten: Die Meereshöhe der Nordsee entspricht keineswegs der in der Karibik. Bildlich gesprochen hat der weltweite Meeresspiegel aufgrund unterschiedlicher Gravitationsverhältnisse „Täler“ und „Hügel“. Erst wenn die genau vermessen sind, kann man einen korrekten Mittelwert für die weltweite Meereshöhe errechnen.

Seite 1:

Europas neuer Super-Satellit

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%