Neue Erkenntnisse verbessern Batterien
Riesenionen verhindern Explosionen

Negativ geladene chemische Verbindungen zerfallen schnell und lassen Batterien explodieren. Ein neu entwickeltes Anion soll helfen, die Energiespeicher stabiler und langlebiger zu machen.

DÜSSELDORF. Die höchsten Ansprüche stellt Ingo Krossing an sich selbst. „Ich wollte die Grenzen des Möglichen verschieben“, beschreibt der Chemiker von der Universität Freiburg seine Motivation. „Meine Stoffe sollten besser sein als die aus dem Lehrbuch.“ Was herausgekommen ist, freut jedoch nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Wirtschaft: Riesenanionen, große, negativ geladene Teilchen. Sie machen Batterien stabiler und langlebiger. Hybridfahrzeuge könnten sich damit in Bruchteilen einer Sekunde von null auf hundert beschleunigen lassen. So unterschiedliche Produkte wie Medikamente und Schmiermittel könnten reiner und in größeren Mengen hergestellt werden.

Die Liste potenzieller Verwendungen für Krossings Riesenanionen ließe sich fortsetzen, aber ihn selbst interessiert das wenig: „Ich mag es nicht, wenn die Ionen auf Anwendungen reduziert werden. Am Anfang war nur die Grundlagenforschung!“ Dazu eine Priese Neugierde, Mut und Experimentierfreude.

Als junger Post-Doktorand hatte Krossing seine erste Begegnung mit den Riesenanionen. Eine Bekanntschaft der unangenehmen Art: Die Substanzen lassen sich nur mühsam in klitzekleinen Mengen in zweiwöchiger Arbeit gewinnen. Zum Verdruss des Forschers fliegen sie dem Schöpfer obendrein bei Kontakt mit der Luft um die Ohren. Krossing ist die Plackerei leid, zumal die negativ geladenen Teilchen eigentlich nur Mittel zum Zweck sind, um andere Chemikalien herzustellen: „Es gibt vielleicht eine Hand voll solch nützlicher Verbindungen, aber alle haben irgendeinen Pferdefuß. Da habe ich mich gefragt, wie ein richtig gutes Anion aussehen müsste.“ Nämlich: stabil, leicht herzustellen und keinesfalls explosiv. Krossing kam der Kunststoff Teflon in den Sinn. Dieser langkettige Fluorkohlenwasserstoff hält die Hitze des Herdes aus und könnte, so seine Idee, auch Ionen vor dem Zerfall schützen. In der Folge konstruiert Krossing teflonähnliche Ionen. Verzweigte Fluorkohlenwasserstoffe ranken sich darin um einen anorganischen Kern. An dieses ausladende Knäuel wagt sich kein Reaktionspartner heran.

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