Neue Hülle für den Unglücksreaktor
Ein Dom für Tschernobyl

Die Katastrophe von Tschernobyl ist zwar über 20 Jahre her, der Reaktor Nummer vier stellt jedoch immer noch eine Bedrohung für Mensch und Umwelt dar. Nun bauen französische Baukonzerne eine gewaltige Metallhülle um das beschädigte Kernkraftwerk, die nicht nur vor Strahlung schützen soll.

PARIS. Nach dem Supergau am 26. April 1986 im Kernkraftwerk Tschernobyl nahe der ukrainischen Stadt Prypjat, bei dem große Mengen an radioaktiver Materie in die Luft geschleudert wurden, hatten Tausende Helfer einen provisorischen Betonmantel um den explodierten Reaktor errichtet. Inzwischen ist dieser an vielen Stellen gerissen ist und droht einzustürzen. Nun sollen die französischen Bauriesen Vinci und Bouygues eine dauerhafte Lösung für den Reaktor bauen, der Schätzungen zufolge immer noch 190 Tonnen strahlendes Material enthält.

„Unser Metallmantel soll nicht nur vor Strahlung schützen, sondern auch eines Tages den Rückbau des Reaktors ermöglichen“, sagt Jean-Denys Arnal, Marketing-Direktor von Bouygues Travaux Public. Der Entwurf, mit dem sich die Franzosen gegen den US-Wettbewerber CH2M Hill durchgesetzt haben, hat wahrlich pharaonische Ausmaße: Der Metallmantel soll mit 150 Metern länger als ein Fußballfeld sein und 260 Meter breit. Mit einer Höhe von 105 Metern könnte der Metalldom ohne Probleme die Pariser Kathedrale Notre Dame in sich aufnehmen. Mit einem Gesamtgewicht von 18 000 Tonnen wiegt der neue Schutzmantel drei Mal so viel wie der Eiffel-Turm. Die Kosten belaufen sich auf 432 Mill. Euro und werden aus einem Fonds der Europäischen Entwicklungsbank finanziert, den die G7 und die EU gespeist haben.

„Die größte Sorge gilt der Sicherheit der Arbeiter“, erklärt der Bouyges Experte. Um die Strahlenbelastung auf ein akzeptables Minimum beim Bau zu reduzieren, greifen die Franzosen zu einem Trick: Der Schutzmantel wird in rund 200 Metern Entfernung vom strahlenden Reaktor gebaut. Anschließend wird das Metallungetüm auf eigens konstruierten Beton-Schienen über den Reaktor Nummer vier geschoben. „Das Gewicht ist nicht das größte Problem“, versichert Arnal. Ähnliche Manöver habe Bouygues schon durchgeführt, beispielsweise um schwere Brückenteile an Ort und Stelle zu hieven.



  1. Mit einer Höhe von 105 Metern könnte der Metalldom die Pariser Kathedrale Notre Dame in sich aufnehmen.

  2. Der Metallmantel soll mit 150 Metern länger als ein Fußballfeld und rund 260 Meter breit sein.

  3. Mit einem Gesamtgewicht von 18 000 Tonnen wiegt die neue Schutzhülle drei Mal so viel wie der Eiffelturm.


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