Neue Projektoren
Rost und Felsen

Unebene, verrostete Flächen und schwierige Lichtverhältnisse – neuartige Projektoren machen jede beliebig geformte Oberfläche zur Leinwand. Die Smartprojecting-Technik ermöglicht es, auf fast allen Oberflächen Bilder verzerrungsfrei und farbecht zu übertragen. Künftig sollen die Projektoren auch in Handys und Notebook-Computer passen.
  • 0

DÜSSELDORF. Das Ambiente in der alten Abstichhalle der Henrichshütte im Industriestädtchen Hattingen an der Ruhr erinnert an eine Filmkulisse für Charlie Chaplins Kinoklassiker „Moderne Zeiten“. Die 150 Jahre alte Stahlkocherei mit ihrem Ensemble aus rostigen Stahlträgern, Erz- und Koksbunker, Schrägaufzug und Rohrleitungen ist ein Industriedenkmal erster Güte. Eines aber ist es mit Sicherheit nicht: ein Kinosaal.

Dennoch mutiert das Westfälische Industriemuseum in wenigen Tagen zu einem Großraumkino. Ab Mitte April nämlich wird bei Besucherrundgängen ein Dokumentarfilm zur historischen Roheisenproduktion auf einen tonnenschweren, verrosteten Schieber unter dem alten Abstich projiziert. Glasklare und taghelle Bilder auf rötlich grau-braunem Rost, das verdankten die Hattinger einem ebenso neuartigen wie intelligenten Projektionsverfahren, das die Tüftler des Weimarer Unternehmens Vioso erfunden haben.

Die von den Vioso-Gründern Benjamin Fritsch und Emanuel Züger entwickelte Smartprojecting-Technik ermöglicht es, auf fast jede Oberfläche Bilder verzerrungsfrei und farbecht zu übertragen. Unebenheiten und farbige Muster der Oberflächen gleicht der Projektor durch unterschiedliche Licht- und Farbintensitäten aus. Die Korrekturen errechnet eine Software aus den zuvor per Kamera erfassen Daten zu Geometrie, Farbe und Muster der Projektionsfläche. Eine Software gleicht Fehler anschließend aus.

Projektoren herkömmlicher Machart wären an dieser Aufgabe gescheitert. Für Fritsch und Züger aber waren die schwierigen Raum- und Lichtverhältnisse eine Herausforderung. Und der Erfolg beflügelt sie: In Zukunft wollen sie auch Theater, Messen und Eventveranstalter mit der intelligenten Bildwerfer-Technik ausrüsten. Zudem müssten etwa für öffentliche Live-Übertragung zur Fußball-EM im Sommer nicht mehr große Leinwände aufgestellt werden. Denn die farbechte und verzerrungsfreie Projektion macht jede Gebäudefassade oder Felswand zur Megaglotze.

Doch die Visionisten von Vioso denken nicht nur im Großen. Die neuartige Technik soll schon bald auch in handelsübliche Beamer oder mobile Kleingeräte wie etwa Handys Einzug halten: „Gerade Mini-Projektoren in mobilen Kleingeräten werden in absehbarer Zeit die Märkte erreichen“, sagt Firmengründer Fritsch. Auch Carsten Rudolph, der Projektleiter der Microsoft-Gründerinitiative „unternimm was“, betont: „Mobilen Geräten wie Smartphones gehört die Zukunft; dabei wird die Projektionstechnik immer wichtiger.“

Seite 1:

Rost und Felsen

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Neue Projektoren: Rost und Felsen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%