Neue Serie
Mit Innovationen auf Wachstumskurs

Der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik ist zuversichtlich: Die deutsche Elektronikbranche ist bei Innovationen Weltspitze. Mikro- und Nanotechnik haben das Zeug, die gesamte Volkswirtschaft wieder auf Vordermann zu bringen.

DÜSSELDORF. Vor zwanzig Jahren wurde ein Protokoll ausgetauscht: Aus einem veralteten NCP (Network Core Protocol) wurde das modernene TCP/IP (Transmission Control Protocol/Internet Protocol). Das war eine der wichtigsten Beschlüsse in der Wirtschaftsgeschichte überhaupt. Ein wichtiger bahnbrechender Standard wurde geschaffen, der das Internet erst zu einer der wichtigsten Innovationen überhaupt werden ließ. Dabei ist das Internet, das inzwischen weltweit größtes Computernetzwerk, bestehend aus mehrere Millionen fest angeschlossener Rechner (Knotenrechner) und weit über 200 Millionen Anwendern, noch viel älter. Der wirtschaftliche Durchbruch gelang dennoch erst vor rund acht Jahren. Gerade das Beispiel Internet zeigt, wie lange selbst bahnbrechende Innovationen mitunter brauchen, um zu einem durchschlagenden wirtschaftlichen Erfolg zu werden.

Dabei sind Innovationen bekanntermaßen das Treibmittel für jede Volkswirtschaft. Mit neuen Produkten und Dienstleistungen werden neue Märkte geschaffen. Neue Umsätze werden generiert, mit den Unternehmen geht's aufwärts, neue Arbeitsplätze entstehen. Wenn es aktuell ganz anders mit der Wirtschaft – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit – aussieht, stellen sich Fragen: Gehen den Erfindern die Ideen aus? Oder finden Neuerungen einfach nur nicht mehr schnell genug den Weg zu vermarktbaren Produkten?

„Innovationen sind die Basis für den Geschäftserfolg von heute und morgen“, machte Wolfgang Gawrisch, Leiter Forschung/ Technologie der Düsseldorfer Henkel-Gruppe, deutlich. „Durch verschiedene Kooperationsformen mit Universitäten, durch Start-ups und Venture Capital erschließen wir uns neue Geschäftsfelder mit den Schlüsseltechnologien der Zukunft.“

Umsetzungs-Zyklen werden immer kürzer

Die Zeit, die bei technisch-naturwissenschaftlichen Entwicklungen von der Entdeckung bis zur praktischen Verwendung verstreicht, wird dabei sogar immer kürzer: Die Dampfmaschine brauchte noch 80 bis 90 Jahre, das Telefon 56, der Rundfunk 35, das Radar 15, die Atombombe 6, der Transistor 5, und der integrierte Schaltkreise 3 Jahre (Quelle: www. wissen.de).

Die Umsetzung geht also immer schneller, schließlich ist Zeit bares Geld. Wer zu spät mit seinem Produkt auf den Markt kommt, kann mitunter den kompletten Aufwand für Forschung und Entwicklung abschreiben. Jahrelang hing der wirtschaftliche Erfolg der Herstellung von Speicherchips davon ab, wer als Erster mit einem noch leistungsfähigeren Produkt auf dem Markt kam. Für jede Regierung muss die Stärkung der Innovations- und Technologiepotenziale im eigenen Land daher ein wichtiger Teil der Wirtschaftspolitik sein.

„Gerade hier haben wir deutliche Wettbewerbsvorteile“, machte Klaus Wucherer, VDE- Präsident und Mitglied des Zentralvorstands der Siemens AG, deutlich. Nicht nur in der Grundlagenforschung stehe Deutschland gut da, sondern auch das Wissen um die möglichen Anwendungen von Mikro- und Nanotechnologien ist nach Ansicht von Wucherer gerade in Deutschland besonders ausgeprägt. „Durch unsere Branchenkenntnisse haben deutsche Unternehmen eine Riesenchance. Gerade diese Kombination macht uns so stark.“

Die Öffentlichkeit, darauf weist das Institut der Deutschen Wirtschaft (DIW) allerdings auch hin, steht dem technischen Fortschritt zwiespältig gegenüber: „Oftmals werden mit Innovationen nur Rationalisierungsmaßnahmen assoziiert“ und damit als die Ursache für Arbeitslosigkeit gesehen. Diese Befürchtung ist nicht berechtigt, meint das DIW; denn der Beschäftigungsindex (Entwicklung der Beschäftigung) liegt zumindest bei den Unternehmen, die als intensive Forscher und Entwickler gelten, schon mal höher als bei den nicht F+E-intensiven Industriezweigen. Was allerdings auch nichts daran geändert hat, dass seit 1991 die Beschäftigtenzahlen im gesamten Verarbeitenden Gewerbe abgenommen haben.

Neue Jobs durch neue Erfindungen

Folglich müssen Innovationen gefördert werden, die nachweislich neue Märkte und neue Jobs schaffen. Innovationen gibt es in verschiedensten Ausprägungen, sie haben nicht alle die gleiche Bedeutung. So kann ein neues Produkt mitunter ganz neue Industrien und Branchen begründen (Beispiel Erfindung der Dampfmaschine, der Eisenbahn, des Autos oder des Computers). Solche bahnbrechenden Erfindungen durchdringen die Gesellschaft und verändern sie. Ist ihr die gesamte Volkswirtschaft antreibendes Nutzungspotenzial erschöpft, wie derzeit in der Computerindustrie ansatzweise zu beobachten, so rutscht die Volkswirtschaft leicht in eine Rezession ab.

Als nächste „lange Welle der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung“, wie sie der russische Ökonom Nikolai D. Kontratieff („Kondratieff- Zyklen“) beschrieben hat, wird beispielsweise der Gesundheitssektor gesehen. Wenn der Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (VDE) feststellt, dass Deutschland in den Bereichen Mikro-, Nano- und Medizintechnik weltweit führend ist, dann dürfte die Wettbewerbsposition dieses Landes – zumindest langfristig – nicht gefährdet sein. In einer Studie „Schlüsseltechnologien 2010“ stellt der technisch-wissenschaftliche Verband fest: Diese Sektoren zählen zu den Schlüsseltechnologien mit der höchsten Innovationskraft. Hier seien die meisten Neuentwicklungen zu erwarten.

Rolf Isermann, Professor an der Technischen Universität Darmstadt, vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) zum weltweit besten Repräsentanten der Wissenschaft von der Integration mechanischer und elektronischer Systeme (Mechatronik) gewählt, bestätigt die Stärken der deutschen Unternehmen: „Die Mechatronik zählt deshalb zu den zehn wichtigsten Zukunftstechnologien, weil 80 bis 90 Prozent der Innovation rund um Maschinen und Autos heute auf mechatronische und elektronische Erfindungen zurückgehen – Branchen also, in denen Deutschland traditionell eine Spitzenposition einnimmt.“ Beispiele: Am weitesten ist die Entwicklung in der Kfz-Technik vorangeschritten, bei „intelligenten“ Fahrerassistenzsystemen, in elektro-hydraulischen Bremssystemen oder elektrischen Servo- und Überlagerungslenkungen. Sensorik, Aktorik, Computer und Echtzeitsoftware ermöglichen dabei einen Leichtbau, einen einfacheren Aufbau und eine Vielzahl neuer Funktionen. Um die vielfältigen Potenziale auszuschöpfen, müsse der Wissenstransfer von der Theorie in die Praxis weiter beschleunigt werden, betont Isermann.

Wenn die USA in den Bereichen Elektronik/Mikroelektronik, Informationstechnik und Computing vorn liegen, Asien (und dort vor allem Japan) in den Bereichen Elektronik/Mikroelektronik eine führende Stellung zugesprochen wird, so dürfte sich sogar eine weltweit gewollte Arbeitsteilung ergeben.

Nächste Folge: Mikrosystemtechnik

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