Neue Simulationsmethoden sollen Verkehrsplanungen verbessern und individuelles Fahrverhalten vorhersehen
Stauprognosen sollen zuverlässig werden

Staufrei in die Ferien oder flink während der Rushhour in die Stadt? Für viele ein Traum. Seit Jahren versuchen Planer Verkehrsströme am Computer zu simulieren, um den Verkehr in Ballungsgebieten flüssiger zu machen – mit mäßigem Erfolg. Nun wollen Physiker, Psychologen und Mathematiker mit neuen Berechnungsmodellen bisherige Defizite bei der Simulation in den Griff bekommen.

BERLIN. Kai Nagel vom Institut für Land- und Seeverkehr an der Technischen Universität (TU) Berlin weiß woran es krankte: „Bisherige Simulationen haben das individuelle Verhalten zu wenig berücksichtigt“, so seine Erklärung. Planer begriffen den Verkehr zu sehr als fließenden Strom – nicht zuletzt, um durch diese Abstraktion mit der vorhandenen Rechnerleistung auszukommen. Individuelles Verhalten spielte aus Kapazitätsgründen kaum eine Rolle. Aber das ist nun mal entscheidend.

„Inzwischen sind die Computer so leistungsfähig, das sie auch das Reiseverhalten einzelner berechnen können“, sagt Nagel. Wer nimmt wann das Auto und wann lieber die Bahn? Ein derart umfangreiches Simulationssystem hat der Wissenschaftler bereits für den Autoverkehr der Schweiz entwickelt. Seine Vision ist es, dass Verkehrsprognosen eines fernen Tages jeden Abend so selbstverständlich wie die Wettervorhersage aus dem Fernseher purzeln. Doch bis dahin, dauert es noch etwas.

Bei der Simulation, die der Berliner Forscher jetzt auch für den Raum Berlin-Brandenburg entwickelt, nutzt er ein physikalisches Modell, mit dem das Verhalten von Teilchen im Raum beschrieben werden kann. Anhand einer sehr detaillierten Datenbasis, die Reisende, Autos, Ampeln, Straßen, Busse, Bahnen, Flugzeuge und Schiffe berücksichtigt, sollen präziser als bisher Aussagen über die Entstehung und Auflösung von Staus entstehen. Nagel versucht so Gesetzmäßigkeiten über das Reiseverhalten, die Verkehrsmittelwahl und die Routenplanung herzuleiten.

In die Berechnungen fließen eine Vielzahl von unterschiedlichen Daten ein: Geodaten von Straßen, Geschwindigkeitsbeschränkungen, Baustellen, Ampelschaltungen, Volkszählungsdaten und Verhaltensdaten aus Befragungen, aus denen Muster der Verkehrsmittelwahl, -zeiten und -wege abgeleitet werden. Eine neue Software bringt diese verschiedenen Informationen zusammen und generiert daraus eine Prognose. „Methodisch ist das Verfahren nicht problematisch. Schwierig ist allein, dass die Daten nicht standardisiert vorliegen und nicht immer gerne zur Verfügung gestellt werden“, bedauert Nagel. Erste Ergebnisse für den Ballungsraum Berlin erwartet er im nächsten Jahr.

Michael Schreckenberg, Leiter des Instituts für Transport und Verkehr der Uni Duisburg, verfolgt einen anderen Ansatz. Er geht dazu über, das Fahrverhalten nicht nur rein physikalisch, sondern auch psychologisch gestützt vorherzusagen. „Mit Hilfe der Spieltheorie treffen wir Aussagen darüber, wie Fahrer auf Anzeigen von Verkehrsleittafeln reagieren werden“, sagt der Physiker.

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