Neue Software entlastet Schwerstbehinderte
Rollstuhlfahrer steuern ihr Gefährt mit den Augenbrauen

Häufig müssen Querschnittsgelähmte ihren Rollstuhl kompliziert mit einem in der Nähe des Mundes angebrachten Joystick steuern. Geht es nach Ulrich Canzler und seinem Team von Cancontrols können Schwerstbehinderte ihren Rollstuhl demnächst allein mit ihrer Gesichtsmimik steuern. Eine neue Software soll es möglich machen.

DÜSSELDORF. Ein kurzes Zucken mit den Augenbrauen reicht, und der Rollstuhl fährt los. Nach einem leichten Nicken dreht er nach rechts, der offene Mund bringt ihn schließlich wieder zum Stehen. Geht es nach Ulrich Canzler und seinem Team von Can-controls können Schwerstbehinderte ihren Rollstuhl demnächst wie der berühmte Forscher Stephen Hawking allein mit ihrer Gesichtsmimik steuern. Der amerikanische Physiker ist an ALS – Amyotrophe Lateralsklerose – erkrankt und steuert seinen Rollstuhl über Infrarotsensoren in seiner Brille.

Seit rund anderthalb Jahren arbeitet Canzler an dem Projekt, der zuvor Informatik an der Universität in Aachen studiert hat. Inzwischen hat er vier Mitarbeiter, die das Programm immer weiter verfeinern. Die ersten Produkte sollen schon in wenigen Wochen auf den Markt kommen.

Das besondere an der Technik sei vor allem, dass sie sehr flexibel einsetzbar sei, sagt Canzler. Im Grunde benötigt der Benutzer nur eine normale Webcam und einen Computer. Die Kamera wird rund einen Meter von dem Gesicht entfernt aufgestellt. Von da an überwacht der Computer ständig die Gesichtsmimik.

„Welche Bewegungen der einzelnen Muskeln dann endgültig den Rollstuhl steuern, lässt sich ganz leicht individuell anpassen“, sagt Canzler. Dazu wird zunächst in dem Programm ein dreidimensionales Bild des Gesichts erstellt. Danach werden mögliche Gesichtsausdrücke und Muskelbewegungen gespeichert, denen im Computer dann die entsprechenden Befehle zugeordnet werden. Der gesamte Vorbereitungsprozess dauert nicht einmal eine Minute, dann ist das Gerät voll einsatzfähig.

Profitieren sollen davon vor allem Querschnittsgelähmte, die heute ihren Rollstuhl häufig kompliziert mit einem in der Nähe des Mundes angebrachten Joystick steuern müssen. Möglich seien aber auch Anwendungen für Menschen, die wie Stephen Hawking an ADS oder an Multiple Sklerose oder anderen Krankheiten leiden, die den Menschen immer stärker in seiner Bewegungsfreiheit einschränken. „Hier kann das Programm genau auf die jeweilige Schwere der Erkrankung abgestimmt werden“, sagt Canzler.

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