Neue Technik soll Staus vermeiden
Schach dem Stillstand

Intelligente Autos wittern mithilfe von Radar-, Infrarot- und Ultraschallsensoren Gefahren und verhindern Staus – bislang allerdings nur auf dem Testgelände. Zwei neue Großversuche sollen nun Deutschlands Führungsrolle in der Entwicklung von Telematiksystemen stärken.
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Der silberne Audi A8 scheint an der Stoßstange des vor ihm fahrenden Mazda 3 zu kleben. Er verfolgt ihn Kilometer um Kilometer. Der Abstand zwischen beiden Fahrzeugen bleibt konstant bei 20 Metern. Plötzlich macht der Fahrer des Mazda eine Vollbremsung. Noch ehe der Fahrer des Audi die Situation erfasst, hat sein mit Technik vollgestopftes Versuchsfahrzeug bereits reagiert: Ohne dass der Fahrer das Bremspedal auch nur antippt, kommt die schwere Limousine in sicherer Entfernung zum Vordermann zum Stehen. Sekunden später, der Mazda hat inzwischen Fahrt aufgenommen, rollt der Audi wie von Geisterhand bewegt wieder los.

Die Autohersteller bieten eine automatische Notbremsung wie die auf dem Bosch-Versuchsgelände heute noch nicht einmal gegen Aufpreis an. Doch die Vision vom sicheren, unfallfreien Fahren rückt immer näher. Schon in wenigen Jahren werden Autos mithilfe von Radar-, Infrarot- und Ultraschallsensoren sowie eingebauten Videokameras brenzlige Verkehrssituationen automatisch erkennen und nachfolgende Fahrzeuge vor Gefahren warnen. Unfälle, eisglatte Straßen, umgestürzte Bäume, Verkehrsstaus - in Echtzeit werden elektronische Fahrerassistenzsysteme die Gefahrenpunkte auf den Meter genau lokalisieren und per Funk, über Schilderbrücken und Baken am Wegesrand an Fahrzeuge im Umkreis melden.

Horst Wieker, Professor für Kommunikationstechnik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, schätzt, dass so etwa 60 Prozent aller Unfälle mit Personenschäden, die heute auf den Straßen in der Europäischen Union passieren und jährlich Kosten von rund zwei Milliarden Euro verursachen, durch den Einsatz von Telematiksystemen verhindert oder zumindest stark abgemildert werden könnten. Nebenbei würden die Systeme durch das Vermeiden von Verkehrsstaus auch den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids vermindern.

Die erforderliche Technik dafür ist in den Labors der Autohersteller und ihrer Zulieferer längst vorhanden und auf abgesperrten Strecken vielfach getestet. Was noch fehlt, ist der Beweis, dass die Techniken auch im Verkehrsalltag funktionieren und zusammenarbeiten. Diesem Mangel wollen die deutschen Autohersteller und ihre Zulieferer mit finanzieller Unterstützung der Politik nun in zwei millionenschweren Projekten abhelfen.

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