Neue Techniken
Kunststoff aus Elektroschrott

Jahr für Jahr werden in Deutschland immer noch mehr als 50 000 Tonnen Kunststoffabfälle verbrannt. Bald könnte diese Verschwendung ein Ende finden. Neue Techniken machen es möglich, Kunststoffe und Wertmetalle aus Elektrogeräten zurück zu gewinnen.

KÖLN. Harry Rosin kann nur lächeln, wenn man ihn als Öko-Träumer bezeichnet. Vor anderthalb Jahrzehnten entwickelten der Medizinprofessor und sein Team den ersten FCKW-freien Kühlschrank. „Es hieß, so etwas sei nicht möglich“, erinnert sich Rosin. Heute hat sich seine Technologie längst etabliert. Und so soll es auch dem Kryo-Recycling gehen, bei dem Materialien bis auf minus 160 Grad gekühlt und fein gemahlen werden. „Es gibt keine bessere Lösung, um sortenreine Kunststoffe und Wertmetalle aus Elektro- und Elektronikgeräten zurück zu gewinnen“, verspricht der Wissenschaftler.

Rosin und seine Mitstreiter wehren sich dagegen, dass in Deutschland Jahr für Jahr immer noch mehr als 50 000 Tonnen Kunststoff-Abfälle verbrannt werden. Tatsächlich macht die so genannte „energetische Verwertung“ den Löwenanteil des Recyclings von Kunststoffen aus Elektroschrott aus. Plastik dürfte etwa 20 Prozent der zwei Mill. Tonnen jährlich erfassten Elektroschrotts ausmachen. Aber nur 5 000 Tonnen des Kunststoffs konnten zuletzt verwertet werden.

„Ich gehe davon aus, dass es in Zukunft für immer mehr Bereiche der Kunststoff-Verwertung einen Markt geben wird“, sagt Rainer Cosson, Geschäftsführer beim Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE). Und so wagen sich immer mehr Unternehmen mit Technologien vor, um pures Plastik aus altem Schrott zu holen.

Ein Musterbeispiel ist die Kooperation zwischen dem Grevenbroicher Unternehmen Crea-Cycle und dem Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising. Gemeinsam haben sie die Technik „Crea-Solv“ entwickelt. Das Verfahren erlaube es erstmalig, technische Kunststoffe aus Mischmaterialien zurück zu gewinnen, werben die Entwickler. Andreas Mäurer, beim Fraunhofer-Institut für das Projekt verantwortlich, verspricht: „Zurück gewonnener Kunststoff aus unserem Verfahren enthält keine Schadstoffe und hat die Qualität neuer Ware.“

Was umso interessanter ist, weil sehr viele Materialien aus Elektrogeräten mit Flammschutzmitteln belastet sind. Das kann bei einer Weiterverarbeitung hochgiftig sein. Der Energie-Aufwand soll im Vergleich zur Neuproduktion von Kunststoff nur 20 Prozent betragen.

Ausgangsmaterial sind Rückstände aus üblichen Verfahren. „Bislang bleiben Kunststoffe nach dem Schreddern als nutzloses Gemisch zurück“, weiß Mäurer. Bei Crea-Solv hingegen benetzt er das aufbereitete Material mit einem bestimmten Lösemittel für spezifische Kunststoffe. „Erst haben wir dann eine schwarze Lösung, aus der wir wiederum einen sauberen Kunststoff gewinnen können.“ Mäurer vergleicht das Verfahren mit der Gewinnung von Salzkristallen aus Meerwasser.

Seite 1:

Kunststoff aus Elektroschrott

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%