Neue Technologie
Lichtfasern bringen Beton zum Leuchten

Grau, hart und hässlich. Das Image von Beton, des künstlichen Gesteins aus Zement plus Stein, Kies oder Splitt und Wasser, könnte kaum schlechter sein. Zu Unrecht, sagen die Betonhersteller.

DÜSSELDORF. Denn das Produkt sei vielseitig. Der graue Stein werde nicht nur in unterschiedlichsten Anwendungen genutzt, sondern genüge sogar höchsten Architekten-Ansprüchen, zum Beispiel als lichtdurchlässiger Beton.

In der Tat gehört der so genannte Leuchtbeton zu den erstaunlichsten Materialentwicklungen der letzten Zeit: Mit Hilfe lichtleitender Fasern wandelt sich Beton vom schweren Baustoff zum federleichten Material - zumindest aus Sicht des Betrachters. Graue Betonwände mutieren so zu japanischen Reispapierwänden.

Konzerne der Zementbranche wie Heidelberg Cement oder Dyckerhoff haben die Chance erkannt, mit Leuchtbeton etwas fürs Marketing des Betons zu tun. Sie steigen nach und nach in Herstellung und Vertrieb des lichtdurchlässigen Kunstgesteins ein. Auch kleine Spezialisten versuchen ihr Glück: So will der Architekt Andreas Bittis gemeinsam mit der mittelständischen Florack aus Heinsberg bei Aachen noch Ende des Jahres eine vier mal fünf Meter große Leuchtbeton-Platte auf den Markt bringen. Damit könnten leuchtende Plattenbauten gebaut werden, ist Bittis überzeugt.

Anwendungsideen für den Lichtbeton gibt es reichlich: Raumteiler, Treppenstufen, hochwertige Inneneinrichtungen. Exklusive Einbauten für Wellnessbereiche sind bereits in Planung. Doch der hohe Preis schreckt noch von einer Massenfertigung und einem Vertrieb in Baumärkten ab. Je nach Dicke und Oberflächenbeschaffenheit verlangt Branchenprimus Heidelberg Cement beispielsweise zwischen 2 400 und 5 500 Euro für den Quadratmeter.

Leuchtbeton ist für die Zementbranche vergleichbar mit dem Ferrari für die Autobranche, bestätigte eine Sprecherin des Bundesverbands der Deutschen Zementindustrie. Im Klartext: Klasse Produkt und gut fürs Image – aber für Otto-Normal-Verbraucher zurzeit kaum erschwinglich.

Das könnte sich jedoch ändern: Mit einem neuen Herstellungsverfahren beschreitet Heidelberg Cement jetzt den Weg in Richtung Serienproduktion. In den letzten Monaten sei die Herstelltechnik zu einem halbautomatischen Prozess ausgebaut worden, der den Einbau der lichtleitenden Elemente im Beton wesentlich erleichtere, so der Konzern. Je nach Ausbaustufe wäre bald auch eine vollautomatische Fertigung möglich. Eine entsprechende Patentanmeldung liege bereits vor. Mit der neuen Produktionstechnik könnten auch die Preise ins Rutschen kommen.

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