Neue Wirkstoffe im Test
Krebsmittel wecken Hoffnung

Große Pharmakonzerne bauen ihr Engagement in der Krebsforschung weiter aus. So starten sowohl Boehringer als auch der US-Konzern Pfizer neue klinische Studien im Bereich Lungenkrebs In solchen Studien werden neue Wirkstoffe an einer relativ großen Zahl von Patienten getestet. Fallen die Daten positiv aus, können sie als Basis für einen Zulassungsantrag genutzt werden.

FRANKFURT. Boehringer ist bisher im Geschäft mit Krebsmedikamenten nicht vertreten, hat jedoch bereits vor einigen Jahren diverse Entwicklungsprojekte in der Onkologie gestartet. Der nun geplante Test mit dem Wirkstoff BIBW 2992 ist die erste Phase-III-Studie des Unternehmens auf dem Gebiet. Der mit 10,6 Mrd. Euro Umsatz zweitgrößte deutsche Arzneimittelhersteller folgt damit etlichen großen Konkurrenten, die sich ebenfalls verstärkt auf das wachstumsträchtige Feld der Krebstherapie stürzen und dort zum Teil schon erhebliche Umsätze erzielen.

So kündigte am gestrigen Donnerstag zum Beispiel auch der US-Konzern Pfizer Pläne für eine umfangreiche Phase-III-Studie für sein Krebsmittel Sutent in der Lungenkrebsbehandlung an. Sutent ist bisher bereits als Mittel gegen Nierenkrebs zugelassen. Ferner testet auch Bayer sein Mittel Nexavar, das bisher gegen Nierenkrebs zugelassen ist, in der Behandlung von Lungenkrebs. Stark engagiert auf dem Gebiet ist außerdem der Baseler Roche-Konzern, der derzeit führende Anbieter von Krebsmedikamenten. Er erhielt vor wenigen Tagen in Europa die Genehmigung, sein Krebsmittel Avastin auch für die Behandlung von Lungenkrebs zu vermarkten. Dieser biotechnisch hergestellte Wirkstoff hat in den vergangenen drei Jahren bereits eine Führungsposition in der Darmkrebstherapie erobert und wird darüber hinaus auch bei Brustkrebs eingesetzt.

Die Onkologie entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Geschäftsfelder für die Pharmabranche. Der rund 35 Mrd. Dollar große Markt für Krebsmedikamente wächst derzeit um jährlich ein Fünftel und wird sich nach Erwartung des Marktforschungs-Unternehmens IMS Health bis 2010 auf bis zu 70 Mrd. Dollar verdoppeln. Grundlage für solche Prognosen sind Fortschritte in der Grundlagenforschung, die Hoffnung auf weitere Neuentwicklungen sowie ein hoher Bedarf an besseren Wirkstoffen.

Weltweit erkranken nach Schätzung der WHO jährlich etwa elf Millionen Menschen neu an Krebs, davon etwa die Hälfte in den Industrieländern. Lungenkrebs ist mit jährlich rund 1,3 Millionen Neuerkrankungen pro Jahr dabei ein besonders drängendes Problem, da hier bislang nur sehr wenige Therapien zur Verfügung stehen. Die Krankheit gilt als größter "Killer" unter allen Krebstypen. Sie wird meist erst entdeckt, wenn eine Operation nicht mehr möglich ist. Die Überlebensrate nach fünf Jahren liegt bei lediglich 15 Prozent.

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund haben Pharmafirmen ihre Projekte auf dem Gebiet in den letzten Jahren stetig verstärkt. So befinden sich nach Daten des amerikanischen Pharmaverbandes derzeit rund 100 Wirkstoffkandidaten gegen Lungenkrebs in Entwicklung. Auch bei Boehringer bildet der Teilbereich mit inzwischen drei Produkten in klinischer Entwicklung einen Schwerpunkt im Krebsforschungs-Programm. Mit ersten Zulassungen kann der Konzern allerdings selbst im Erfolgsfall kaum vor Beginn des nächsten Jahrzehnts rechnen.

Gegenüber etablierten Konkurrenten wie Roche, Pfizer, Lilly oder Bayer befindet sich Boehringer im Onkologiebereich damit in einem deutlichen Rückstand. Dennoch sieht der Konzern erhebliche Chancen, mittelfristig mit neuartigen Substanzen zum Zuge zu kommen. Zum einen setzt er darauf, spezifische Wirkstoffe für bestimmte, genetisch definierte Subtypen von Lungenkrebs zu entwickeln, zum anderen auf Substanzen, die dann zum Einsatz kommen könnten, wenn Tumorzellen gegen etablierte Mittel resistent werden.

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