Neuer Zeitplan
Keine Pause für die Urknallmaschine

Noch immer steht die komplizierteste Maschine der Menscheit still: Der Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider wird nach dem Schaden am Kühlsystem wohl erst im Spätsommer oder im Herbst in Betrieb genommen. Dann wird der Teilchenschleuder allerdings keine Pause mehr gegönnt.
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BERLIN. Nachdem sich der Neustart für den Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) bis zum September 2009 hinauszögert, will das Europäische Kernforschungszentrum (CERN) die Anlage den kommenden Winter über laufen lassen. Das geht aus einem Bericht zur Situation des LHC hervor, den Jörg Wenninger vom CERN Beams Department auf der Konferenz Planck 2009 im italienischen Padua vorgestellt hat.

Laut Wenninger werden die ersten Teilchstrahlen im September oder Oktober durch die 27 Kilometer lange Röhre unter dem schweizerisch-französischen Grenzgebiet geschickt. Es folge ein „12-monatiger Betrieb den Winter über“.

CERN-Sprecher James Gillies bestätigte die Angaben. „Der Zeitplan ist sehr eng“, sagte er dem britischen Branchendienst ZDNet UK. „Wir werden im September, Oktober oder möglicherweise sogar noch später starten und, anstatt den Winter über zu schließen, werden wir solange weitermachen, bis wir genug Daten im Kasten haben.“

Der im Februar 2009 verkündete Zeitplan war noch von einer Winterpause ab November ausgegangen. Danach sollten die ersten Teilchenstrahlen im September 2009 auf die Reise geschickt werden. Im Oktober sollten die ersten Protonenkollisionen stattfinden.

Möglich sei der durchgehende Betrieb, weil der Zwangsstillstand des LHC auf Grund eines Defekts am Kühlsystem das Budget geschont hat. Zwar war der Schaden größer und die Reparaturkosten deshalb höher als erwartet. Doch laut Gillies konnte das CERN durch den Stillstand Betriebskosten sparen. "Wir bekommen das Geld aus dem Standardbudget des CERN", sagte Gillies. Wegen der hohen Energiekosten in der kalten Jahreszeit steht die Anlage normalerweise ab November für mehrere Monate still.

Der Energiebedarf des LHC ist enorm. Die Anlage verbraucht 120 Megawatt - das ist in etwa so viel wie alle Haushalte des Kantons Genf, in dem sich das CERN befindet. Den Strom liefern der französische Energieversorger Électricité de France (EDF) und das Schweizer Pendant Energie Ouest Suisse (EOS). EOS werde auch im Winter den LHC mit Strom beliefern, sagte Gillies.

Laut Wenningers Bericht hatte bei dem Zwischenfall im September 2008 ein Lichtbogen an einer fehlerhaften Schweißverbindung den Tank beschädigt, in dem sich das flüssige Helium befindet, mit dem die supraleitenden Magnete auf 4,5 Kelvin gekühlt werden. So konnten rund 6 Tonnen Helium entweichen.

Im Zuge der Reparaturarbeiten haben die CERN-Mitarbeiter die über 1 700 Magnete des LHC überprüft. „Leider wurden qualitativ minderwertige Verbindungen an vielen Stellen festgestellt“, so Wenninger. Inzwischen seien sie alle wieder an ihrem Platz. Am 30. April wurde der letzte der 53 ausgetauschten Magnete wieder eingebaut.

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