Neues Forschungsprojekt
Im Wellenkanal bändigen TU-Forscher Monsterwellen

dpa BERLIN. Jedes Jahr gehen auf den Weltmeeren rund 200 Seeschiffe verloren - viele davon werden Opfer so genannter Monsterwellen, die mehr als 35 Meter hoch werden können.

„Es geht letztlich darum, nicht zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort zu sein“, beschreibt Prof. Günther Clauss vom Fachbereich Schiffs- und Meerestechnik der Technischen Universität Berlin ein neues, vom Bundeswirtschaftsministerium mit 2,1 Mill. Euro gefördertes Verbundprojekt mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft in Hamburg, Flensburg und Lüneburg.

In „Lasse“ (Lasten auf Schiffen im Seegang) simulieren die Forscher im großen Wellenkanal der Hamburgischen Schiffbau- Versuchsanstalt, welche Kräfte bei extremen Einzelwellen oder Wellengruppen auf ein Schiffsmodell einwirken. „Wir können dabei exakt vorhersagen, wann das Schiff bei welcher Wellenformation und ­höhe die größten Belastungen erfährt oder sogar kentern kann“, sagt Clauss. Auf dieser Grundlage können zum Beispiel verbesserte Rumpfformen entwickelt werden.

Ein weiteres großes Ziel ist es, ein Verfahren zu entwickeln, mit dem aus Radarmessungen des Seegangs während der Fahrt gefährliche Wellenzüge vorherberechnet werden können. Dann gilt es, schnell zu reagieren. „Das ist wie beim Autofahren: Man rast ja auch nicht mit 100 km/h über einen Schotterweg“, sagt Clauss. Wenn sich also gefährliche Wellengruppen ankündigen, könne ein Computerprogramm den Kapitän warnen: „Entweder er verändert den Kurs oder das Tempo“, sagt Clauss.

„Nicht die höchste Welle ist die schlimmste, sondern oft ist es die Wellenfolge“, erläutert der Ingenieur. Generell könnten Schiffsrümpfe heutzutage nahezu jede Welle aushalten. Wenn der Wellenberg aber zu hoch sei und auf Schiffsebenen träfe, die nicht dafür ausgelegt seien, könne dies dramatische Folgen haben. „Eine Welle durchschlägt das Brückenfenster, die Brücke läuft voll, die Elektronik und die Maschinen versagen, das Schiff wird unsteuerbar“, beschreibt Clauss.

Vorkehrungen zu treffen sei heutzutage wichtiger denn je. „Denn anders als früher ist die Ladung oft das Drei- bis Fünffache des Schiffes wert“, sagt Clauss. Solche Riesenfrachter zu riskieren, sei nicht nur unter dem Gesichtspunkt des Umweltschutzes, sondern auch ökonomisch schierer Leichtsinn.

Monsterwellen oder „Freakwaves“ werden hoch aufgetürmte Wellenberge genannt, die die „signifikante Wellenhöhe“, also den Mittelwert der höchsten Wellen in einem Seegang, um das mindestens doppelte überschreiten. Für die nördliche Nordsee, wo das „hohe Wellenmittel“ fünfzehn Meter beträgt, würden die Fachleute ab rund 30 Metern von einer Monsterwelle sprechen.

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