Neues System
Rechner bringt Bahn auf Trab

Die Pünktlichkeit ist so etwas wie die Achillesferse der Bahn: Reisende und Pendler müssen sich oftmals in Geduld üben. Hinter diesen Verspätungen stecken jedoch häufig komplexe Probleme und Kausalketten. Die Lösung dafür soll „Diskon“ sein – ein Computersystem, welches seine Leistungsfähigkeit bereits auf einer einmaligen Modellbahnanlage beweisen musste.

DRESDEN. Die Bahn will pünktlicher werden. Mit Computer-Hilfe sollen Verspätungen und verpasste Anschlüsse bald der Vergangenheit angehören. Ein Rechner gesteuertes Dispositionssystem, das von Ingenieuren der Technischen Hochschulen in Aachen und Dresden sowie Mathematikern der Universität Göttingen entwickelt wurde, soll helfen, Störungen im Bahnbetrieb effizienter als bisher zu lösen. Das System hat seine Bewährungsprobe bereits hinter sich – auf einer gigantischen Modellbahn im Eisenbahnbetriebslabor der TU Dresden.

Züge, Gleise, Signale, Weichenstraßen, soweit das Auge reicht – idyllische Landschaften, bunte Häuschen und Figuren sucht man aber vergeblich auf der Bahnanlage im Maßstab 1 : 87, die sich über mehrere Kellerräume in der ehemaligen Hochschule für Verkehrswesen „Friedrich List“ ausdehnt. Für die angehenden Verkehrsingenieure der TU ist die Kellerbahn eine Pflicht im Grund- und Hauptstudium, um Betriebsabläufe bei der Bahn hautnah kennen zu lernen.

„Die Studenten freuen sich darauf, dass sie ein bisschen spielen dürfen, doch das artet dann schnell in Arbeit aus“, sagt Laborleiter Thomas Ginzel. Über den akademischen Lehrbetrieb hinaus war die Anlage in den letzten Monaten der ideale Testring für das neue Rechnersystem „Diskon“ – der Begriff steht für „Disposition und Konfliktlösungsmanagement für eine sichere, pünktliche, wirtschaftliche Bahn“.

Entwickelt wurde Diskon in einer mehrjährigen Forschungskooperation zwischen Bahn und Instituten der drei Hochschulen. Das System baut auf dem Bahnfahrplan auf, der für 32 000 Züge auf dem gut 34 000 Kilometer langen Streckennetz die exakten Fahrzeiten errechnet. Dabei müssen eine Fülle von Parametern berücksichtigt werden, etwa die Zug- und Beschleunigungsleistung der Lokomotiven, die Zuggewichte oder die Streckentopographie. Hier gibt es große Unterschiede: So hat ein ICE ein anderes Fahr- und Bremsverhalten als ein schwerer, langer Güterzug.

Bei Verspätungen entsteht eine Differenz zu den tatsächlichen Fahrzeiten. Verspätete Züge kommen dadurch auf Strecken und in Bahnhöfen zwangsläufig anderen, nach Fahrplan fahrenden Zügen in die Quere. Diese Konflikte sorgen für zusätzliche Stopps vor roten Signalen und verpasste Anschlüsse.

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