Neues Verfahren
Forscher veredeln Elektroschrott

Jährlich fallen in Deutschland 1,1 Millionen Tonnen Elektronikschrott an: Handys, die durch leistungsfähigere Modellen ersetzt werden, Computer, Drucker oder Monitore, die nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen sowie ausgediente Kleingeräte. Ein neues Verfahren Karlsruher Forscher kann die Geräte künftig vollständig verwerten.

DÜSSELDORF. Seit März müssen diese Altgeräte zurückgenommen werden, die Hersteller bezahlen kommunale Verwerter für die Entsorgung. Dabei gewinnen diese bereits jetzt Wertstoffe wie Gold oder Silber zurück. Es bleiben dabei aber auch schadstoffbelastete Rückstände übrig, die teuer entsorgt werden müssen. Mit einem von Karlsruher Forschern entwickelten Verfahren könnten die Geräte künftig vollständig verwertet werden.

Fernseher oder ausrangierte PC werden nach dem Einsammeln von den Entsorgern in ihre Bestandteile zerlegt. Dabei fallen verschiedene Fraktionen an: Platinen mit wertvollen Metallen wie Kupfer, Gold oder Silber, Kunststoffgehäuse sowie Platinen mit einem hohen Anteil an Schadstoffen. „Während die wertstoffreichen Fraktionen ganz gut an so genannte Kupferschmelzbetriebe verkauft werden können, die die enthaltenen Metalle wiedergewinnen, müssen die schadstoffreichen Anteile teuer entsorgt werden“, sagt Andreas Hornung, Projektleiter am Institut für Technische Chemie des Karlsruher Forschungszentrums.

Ein besonders Problem sind die Kunststoffgehäuse. Sie sind mit bromhaltigen Flammschutzmitteln behandelt und können daher nicht wie andere Polymere einfach verbrannt werden. „Bislang müssen solche Komponenten teuer als Sondermüll entsorgt werden“, sagt Hornung. Mit dem Haloclean-Verfahren der Karlsruher Forscher könnten auch diese Bauteile noch gewinnbringend weiterverarbeitet werden.

Die Karlsruher verwenden eine zweistufige Pyrolyse. Bei diesem Verfahren werden die Kunststoffe bei relativ moderaten Temperaturen zwischen 350 und 450 Grad in Koks, Metall und Flüssigkeiten umgewandelt, die einfach getrennt und unterschiedlich weiterverwendet werden können. „Insgesamt erreichen wir so eine Recyclingquote von 99 Prozent“, sagt der Chemiker.

Dem Kunststoff der Gehäuse wird dabei Propylen aus anderen Quellen, beispielsweise aus der Grüne-Punkt-Sammlung, beigemischt. Das Propylen gibt während der Pyrolyse Wasserstoff ab, der sich mit dem in den Gehäusen enthaltenen Brom zu Bromwasserstoff verbindet, einem Gas, das für weitere chemische Reaktionen verwenden lässt. Außerdem wird eine Flüssigkeit erzeugt, die in Kraftwerken oder in energieintensiven Betrieben wie Stahl- und Zementwerken oder Kupferschmelzen als Brennstoff eingesetzt werden kann. Auch bei der Erzeugung von Methanol, das in Brennstoffzellen zum Einsatz kommen wird, könnte es Verwendung finden.

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