Neues Verfahren für die Behandlung von verengten Herzkranzgefäßen
Bypass mit Stahlröhrchen direkt ins Herz

Fortschritt bei der Behandlung von verengten Herzkranzgefäßen: Münchner Herzchirurgen haben zum ersten Mal ein verengtes Herzkranzgefäß mit einem Edelstahl-Röhrchen direkt an die linke Herzkammer angeschlossen.

hsn/dpa MÜNCHEN. Münchner Herzchirurgen haben weltweit zum ersten Mal ein verengtes Herzkranzgefäß mit einem Edelstahl-Röhrchen, dem so genannten V-Stent, direkt an die linke Herzkammer angeschlossen. Es handele sich um eine vielversprechende neue Methode, die seit dem Frühjahr bei bisher fünf Patienten erfolgreich angewendet worden sei, berichtete Herzchirurg Bruno Reichart vom Universitätsklinikum München-Großhadern. Das Verfahren war zuvor fünf Jahre lang an Schweinen erprobt worden.

Verengte Herzkranzgefäße können wegen der dadurch verminderten Durchblutung des Herzmuskelgewebes zu Herzkrankheiten wie Angina pectoris und Herzinfarkt führen. Der V-Stent (Ventrikulokoronarer Stent) ist ein neues Verfahren für die Behandlung der koronaren Herzerkrankung. Heute erfolgt die Behandlung der koronaren Herzerkrankung durch kardiologische Eingriffe wie Ballonaufweitung und Stentimplantation oder durch herzchirurgische Bypassversorgung. Eine Behandlung mit diesen Standardverfahren ist jedoch immer häufiger - insbesondere auch bei älteren Patienten - nicht oder nicht mehr möglich, so dass hier nach neuen Therapieformen gesucht wird, die die Herzmuskeldurchblutung wiederherstellen und langfristig verbessern können.

Dieser spezielle V-Stent wird in einer Zusammenarbeit des Herzchirurgen mit dem Kardiologen eingesetzt, um die durch eine Herzkranzgefäßverengung bedingte Minderdurchblutung des Herzmuskelgewebes zu beseitigen. Dabei wird anders als bei der konventionellen Bypassoperation über das Metallröhrchen eine sehr kurze (17 bis 28mm- lange) direkte Verbindung zwischen der linken Herzkammer und dem betroffenen Herzkranzgefäß hergestellt. „Je kürzer der Bypass ist, um so niedriger ist das Risiko eines erneuten Verschlusses“, erläuterte der Herzchirurg Calin Vicol den Vorteil des Verfahrens. Darüber hinaus erwarten die Mediziner, dass die neue Verbindung langfristig günstige Auswirkungen auf das gesamte Gefäßsystem des Herzens – insbesondere durch die Förderung der Ausbildung von Umgehungskreisläufen hat.

Das Verfahren wird nun in einer Studie getestet, die von der Firma Percardia (Merrimack, New Hampshire, USA) betreut wird. Um eine größtmögliche Sicherheit für den Patienten zu gewährleisten, wird der V-Stent nur in eines von mehreren betroffenen Herzkranzgefäßen eingesetzt wird, während die anderen Gefäße mit konventionellen Bypässen versorgt werden. Für die Zukunft ist geplant, das Verfahren nicht nur herzchirurgisch anzuwenden, sondern auch als Herzkatheterverfahren für den Kardiologen zu entwickeln.

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