Forschung + Innovation
Neues Vorhersagemodell zur Verbreitung von Epidemien

Göttinger Forscher haben ein Simulationsmodell entwickelt, mit dem sich die Ausbreitung von Epidemien vorhersagen lässt. Damit könnten künftig Seuchenzüge etwa durch die Isolation von Flughäfen eingeschränkt werden.

dpa GÖTTINGEN. Göttinger Forscher haben ein Simulationsmodell entwickelt, mit dem sich die Ausbreitung von Epidemien vorhersagen lässt. Damit könnten künftig Seuchenzüge etwa durch die Isolation von Flughäfen eingeschränkt werden.

Das sagte der Direktor am Max-Planck-Institut für Strömungsforschung, Prof. Theo Geisel. Wie schnell sich Krankheitserreger durch den weltweiten Flugverkehr verteilten, habe die Ausbreitung der Lungenkrankheit Sars im Frühjahr 2003 gezeigt. Für die rapide Ausbreitung sind nach seinen Worten die großen Knoten im Luftverkehrsnetz verantwortlich.

Die geographische Verbreitung einer Krankheit wie Sars lasse sich jetzt durch die Simulation der Passagierströme im Flugverkehr vorhersagen, sagte Geisel. „Die Computersimulationen können auch im Voraus Aussagen über den potenziellen Erfolg von Impf- und Kontrollstrategien liefern.“ Die Forscher beschreiben ihr Modell in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften („Pnas“, Bd. 101, S. 15 124) vom Dienstag.

In der Göttinger Simulation „bewegen“ sich die Erkrankten zwischen den verschiedenen Knotenpunkten des globalen Flugnetzes und infizieren dort andere Personen. Die Experten der theoretischen Physik haben in dem Modell mehr als zwei Mill. Flüge pro Woche zwischen den 500 größten Flughäfen der Welt berücksichtigt und krankheitsspezifische Größen wie die Zahl der Sekundärinfektionen sowie Heilungs- und Todesraten mit einbezogen. Dabei sei die Kapazität eines Flughafens weniger entscheidend als sein Vernetzungsgrad.

Die Pest habe sich im 14. Jahrhundert noch mit konstanter Geschwindigkeit in Form von Wellenfronten verbreitet. Die Seuche sei innerhalb von drei Jahren von Sizilien über Zentraleuropa bis nach Norwegen fortgeschritten, erläuterte Geisel. Diese vergleichsweise langsame Ausbreitung basiere darauf, dass in früheren Jahrhunderten Menschen nur in sehr kurzen Distanzen reisen konnten. Das plötzliche Auftreten einer Erkrankung wie im Fall Sars, das Flugreisende von Hongkong aus in kürzester Zeit über die Erde verbreiteten, habe sich jedoch durch das alte Standardmodell nicht mehr erklären lassen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%