Neurofeedback
Den Körper gezielt beeinflussen

Der Mensch kann Körperreaktionen und Vorgänge im Nervensystem willentlich beeinflussen. Ein Potenzial, das Verhaltenstherapeuten zunehmend nutzen. Mit modernen Biofeedback-Methoden lernen Patienten, ihre Hirnaktivität bewusst zu steuern.

BERLIN. Wenn sich der japanische Yogi Mitsumasa Kawakami eine Metallnadel durch die Zunge sticht, zuckt er nicht mal mit der Wimper. Dabei lässt er sich auch gerne an medizinische Diagnosegeräte anschließen, so geschehen auf einem Kongress der Europäischen Biofeedback-Stiftung BFE. Puls, Atmung und Hirnströme Kawakamis verrieten zum Erstaunen der Beobachter weder Schmerz noch Erregung. Die Lektion: Der Mensch kann eigentlich unwillkürliche Körperreaktionen und Vorgänge im Nervensystem willentlich beeinflussen.

Ein Potenzial, das Verhaltenstherapeuten zunehmend nutzen. Durch Neurofeedback-Methoden bringen sie ihren Patienten bei, die Aktivität definierter Hirnregionen zu steuern. Die Therapeuten wollen jedoch keine Yoga-Meister aus ihren Patienten machen. Sie behandeln damit neurologische Störungen und psychische Krankheiten.

Beim Neurofeedback handelt es sich um eine besondere Form der Biofeedback-Therapie. Das Grundprinzip: Körperliche Reaktionen werden für den Patienten sichtbar gemacht. Sensoren messen dazu Parameter wie Puls oder Blutdruck, spezielle Software übersetzt die Informationen in Signale, die für den Patienten leicht zu verstehen sind, zum Beispiel ein Balken, der die Messwerte darstellt. Durch diese Rückkopplung (Feedback) kann der Patient Strategien erlernen, wie er die fraglichen Symptome günstig beeinflussen kann. Bewährt hat sich das Verfahren beispielsweise bei der Behandlung von Migräne, Inkontinenz oder Bluthochdruck.

Beim Neurofeedback messen die Therapeuten die Hirnströme des Patienten mit einem so genannten Elektroenzephalogramm (EEG). Durch ausgeklügelte Trainingseinheiten lernen die Patienten, die Vorgänge in ihrem Denkorgan zu steuern. So können sie sich bewusst in geistige Zustände begeben, die ihrer psychischen Gesundheit förderlich sind. Mehrere Hersteller von Biofeedback-Ausrüstung bieten für Neurofeedback bereits spezielle EEG-Geräte und geeignete Software an, Marktführer sind die Firmen Thought Technologies und Mind Media.

Die Wirksamkeit der Methode ist auch beim Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS) und bei der Epilepsie durch Studien belegt. Hier sei die Methode der medikamentösen Therapie durchaus ebenbürtig, sagt der Jörg Heuser, Psychotherapeut an der Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee, wo sich eines der weltweit größten Zentren für Biofeedback befindet.

Beiden Krankheiten liegen unter anderem Fehlfunktionen im Frontalhirn zu Grunde. ADS-Patienten sind sehr leicht ablenkbar, handeln unbedacht und sind oft hyperaktiv, Epileptiker leiden an wiederkehrenden Krampfanfällen. „Durch Neurofeedback lernen die Patienten, die Aktivität der betroffenen Hirnregionen bewusst zu regulieren und können so den Symptomen ihrer Krankheit entgegen steuern“, sagt Heuser, der gleichzeitig Präsident der Deutschen Gesellschaft für Biofeedback ist.

In einer Studie der Uniklinik Tübingen erzielten selbst Epileptiker, denen kein Medikament helfen konnte, gute Behandlungsergebnisse durch Neurofeedback. Wo nicht auf Pillen verzichtet werden könne, sei das Verfahren eine gute Ergänzung.

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