Neuroradiologie
Mit Kathetern gegen den Schlaganfall

Die Zeiten, in denen Radiologen ausschließlich für die Diagnose zuständig waren, sind lange vorbei. Besonders in der Therapie und Nachbehandlung von Schlaganfällen sind Neuroradiologen gefragter denn je. Häufig genügt ein kaum sichtbarer Schnitt in der Leistengegend, um verschiedene Therapiemaßnahmen einzuleiten.

HB BERLIN. Über diesen führen die behandelnden Ärzte winzige Katheter ein, künstliche Kanäle für verschiedene Therapiemaßnahmen. Diese minimal-invasiven Eingriffe ermöglichen es Patienten, die Klinik schon nach wenigen Tagen wieder zu verlassen.

Ein Schwerpunkt der Neuroradiologie ist die Behandlung von Blutungen im Kopf- und Halsbereich. Für den Laien muten die Verfahren häufig futuristisch an: Mithilfe der Angiographie – einem Bildgebungsverfahren, in der mithilfe eines Kontrastmittels die Blutgefäße dargestellt werden – führen Radiologen in Höhe der Leistengegend einen Katheter in die Bauchschlagader ein. Von dort wird der Katheter über den Becken-, Bauch- und Brustraum bis zu den betroffenen Gefäßen in Kopf oder Hals gelegt.

So schieben die Radiologen bei einer Gefäßaussackung im Gehirn – in der Medizin Aneurysma genannt – durch den Mini-Katheter winzige Platinspiralen, so genannte Coils, bis zu den Aussackungen und verhindern so eine weitere Ausdehnung oder ein Reißen der Gefäßwand. „Die Behandlung von Aneurysmen ohne Mikrokatheter ist heute nicht mehr denkbar“, sagt Michael Forsting, Leiter des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an der Uniklinik Essen, einem der führenden Einrichtungen auf diesem Gebiet in Europa.

Auch bei Verengungen von Blutgefäßen (Stenosen) der Halsschlagader und der Hirngefäße – die häufigsten Ursachen des Schlaganfalls – kommen in vielen Fällen Katheter zum Einsatz. Jahrzehntelang behandelten Chirurgen diese Verengungen, indem das Gefäß in einer komplizierten Operation ausgeschält und wieder geweitet wurde. Heute greifen die Radiologen zu so genannten Stents (Metallstützen). Diese ermöglichen es, verengte Gefäße wieder dauerhaft zu öffnen.

Und der Einsatz neuroradiologischer Verfahren entwickelt sich permanent weiter. Galt vor ein paar Jahren noch die medikamentöse Behandlung eines Thrombus (Aderpfropf) beim Schlaganfall als beste Therapie, wenden heute Neuroradiologen zunehmend so genannte mechanische Rekanalisierungshilfen an: Mit Hilfe von miniaturisierten Greifarmen oder korkenzieherähnlichen Instrumenten versuchen die behandelnden Ärzte das verschlossene Gefäß wieder zu eröffnen.

Andere Formen des Schlaganfalls, ausgelöst durch eine angeborene Fehlbildung der Blutgefäße, lassen sich heute durch den Einsatz innovativer medizinischer Klebstoffe therapieren. Dieses Verfahren erlaubt es, auch jene Patienten zu behandeln, die früher als unheilbar galten.

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