Neurowissenschaft
Schlafen macht schlau

Wie raubt man einem prüfungsgestressten Studenten, der seit Tagen die Nächte durch büffelt, den letzten Nerv? Mit schlauen Ratschlägen, wie: "Leg dir doch das Buch unters Kopfkissen." Den sollte allerdings der Prüfling wirklich beherzigen. Es hilft nämlich. Allerdings nicht, weil das Buch unter dem Kissen liegt, sondern der Kopf drauf.

DÜSSELDORF. Die Wissenschaft lange darüber gestritten hat, welchen Sinn es haben könnte, dass der Mensch ein Drittel seines Lebens bewusstlos vor sich hin dämmert. Heute steht fest: Wir brauchen den Schlaf, um Erlerntes dauerhaft im Gedächtnis zu speichern. Also, liebe Studenten: Wer das Haupt zur Ruhe bettet, anstatt bis in die Puppen über dem Lehrbuch zu sitzen, hilft seinem Erinnerungsvermögen.

Mehr noch: Wie eine vor kurzem auf dem Jahreskongress der Society for Neuroscience in Atlanta vorgestellte Studie zeigt, sind am nächsten Morgen sogar Dinge präsent, die man zuvor gar nicht gepaukt hat. Eine Gruppe um Jessica Payne von der Harvard University bat fast hundert Studenten, sich acht Listen mit je zwölf in einem Kontext stehenden Begriffen zu merken, - zum Beispiel Stecknadel, Faden, nähen, scharf, Heuhaufen, Knoten und so weiter. Zwölf Stunden später sollten die Probanden dann möglichst viele dieser Wörter aufschreiben. Eine Gruppe lernte in der Früh um neun, die zweite erst abends, hatte also Gelegenheit zu schlafen, bevor sie morgens zum Gedächtnistest antreten musste. Und das machte sich bemerkbar: Die Teilnehmer aus der Schläfer-Gruppe hatten weit mehr Begriffe im Gedächtnis behalten als die Morgenlerner.

Noch auffälliger war aber, dass sie zudem zwei- bis dreimal so viele zusätzliche Wörter aufschrieben. Wörter, die nicht auf der Liste standen, an die die Studenten sich aber trotzdem zu erinnern glaubten. Man könnte also meinen, die Nachtruhe hätte ihr Gedächtnis eher getrübt denn geschärft. Doch es stellte sich heraus, dass diese "falschen" Erinnerungen gar nicht so falsch waren. Im Gegenteil: Entweder ergänzten die Begriffe eine Liste um eine "neue, kreative" Variante, oder sie verknüpften sogar zwei, drei Wortlisten auf sinnige Weise miteinander.

Für die Erinnerung an das Wesentliche, den übergeordneten Kontext, sei der nächtliche Schlummer offenbar besonders wichtig, meint Jessica Payne. Das Matratzehorchen weckt offensichtlich kreative Assoziationen. "Schlaf verändert Erinnerungen offenbar in einer Art, die das Entdecken neuer und sinnvoller Zusammenhänge fördert." Schlafen hilft also nicht nur beim sturen Auswendiglernen, sondern auch beim schöpferischen Denken.

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