Nobel-Autos trotz Diebstahlschutz geklaut
Modernste Wegfahrsperren ausgetrickst

Seit der Einführung elektronischer Wegfahrsperren geht die Zahl von Autodiebstählen kontinuierlich zurück. Dennoch gelingt es findigen Dieben immer wieder, die ausgeklügelte Sicherheitstechnik der Nobelkarossen von Mercedes, BMW oder Audi zu überlisten.

HB FRANKFURT. Die Frankfurter Kriminalpolizei hat nun eine aus Polen stammende, 10-köpfige Täter-Gruppe ermittelt, die für 133 Fahrzeug-Diebstähle verantwortlich gemacht wird. Vor allem in den Garagen am Frankfurter Flughafen, aber auch in Köln und im weiteren Rhein-Main-Gebiet haben die Diebe nach Polizeiangaben vom Donnerstag seit April 2001 immer wieder zugeschlagen. Zu ihren bevorzugten Autos gehörten die Mercedes S-Klasse, BMW X5 und Audi A 8, die meist nach Russland gebracht worden seien.

Eine Diebstahlserie ähnlicher Dimension stehe in Berlin und Hannover kurz vor der Aufklärung, sagte der Leiter der Kriminalinspektion, Karl-Heinz Becker. Die Frankfurter Diebe brachten ihre erbeuteten Wagen laut Polizei in zwei Garagen im Berliner Umland, wo sie für den weiteren Weg nach Osteuropa mit neuen Kennzeichen und Fahrgestellnummern ausgestattet worden sein sollen. In den „Frisier-Werkstätten“ seien acht Nobelwagen sicher gestellt worden.

Von den zehn ermittelten Tätern seien zwei flüchtig, vier sitzen in Untersuchungshaft. Bei ihnen handele es sich um „absolute Spezialisten“. Vier weitere Verdächtige wurden wieder auf freien Fuß gesetzt, da keine Flucht- oder Verdunkelungsgefahr bestehe.

Im "Werkstattmodus" auf und davon


Die Diebe setzen laut Polizei zunächst die Alarmanlagen der Wagen außer Funktion und brachen die Schlösser auf. Die elektronische Wegfahrsperre überlisteten die Profis, indem sie eine komplett neue, mit einem eigens gefertigten Zusatzchip versehene Motorsteuerung samt Zündschloss einbauten. Im so genannten Werkstattmodus ließ sich der Motor nach zehn bis 30 Minuten Arbeit anlassen. In das Parkhaus gelangten die Diebe mit zuvor gestohlenen Billig-Fahrzeugen, die sie dort stehen ließen. Die Diebstähle wurden oft erst einige Tage später bemerkt, als die Besitzer von ihren Flugreisen zurückkehrten.

Die Fingerabdrücke auf den zur Ausfahrt benutzten Parkscheinen brachten schließlich die entscheidende Spur auf einen 28 Jahre alten Polen, der wegen eines Ladendiebstahls von der Polizei in Chemnitz erfasst worden war. Dem eisern schweigenden Dieb seien mit Gen-Spuren und Fingerabdrücken 20 Diebstähle zweifelsfrei nachgewiesen worden, sagte Kriminaloberkommissar Armin Köhler von der Sonderkommission.

Die ehemaligen Besitzer haben kaum Aussichten, ihre Wagen aus dem „Nirwana des Ostens“ wieder zu bekommen, meinte Inspektionsleiter Becker. Nach russischem Recht können die Käufer gestohlene Autos behalten, wenn sie im „guten Glauben“ gekauft haben. Interpol Moskau teile zwar gelegentlich die Käufer von in Westeuropa gestohlenen Autos mit, niemals aber die Verkäufer.

Allgemein geht die Zahl von Autodiebstählen seit der Einführung der Wegfahrsperren kontinuierlich zurück. Nach Angaben der Frankfurter Kripo steigt aber der Anteil der dauerhaft verschwundenen Fahrzeuge, was auf immer mehr professionelle Täter schließen lasse.

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