Nobelpreis für Medizin
Von Gen-Knipsern und Knock-Out-Mäusen

Die Stunde der Knipser: Der Nobelpreis kam für die Entwickler der "Knock-Out-Maus" nicht wirklich überraschend. Immerhin wird seit über 20 Jahren mit den genetisch veränderten Mäusen nach Abwehrwaffen gegen Krankheiten wie Krebs oder Diabetes geforscht.

STOCKHOLM. Für ihre Entdeckung und Weiterentwicklung des gezielten Ausschaltens von einzelnen Erbinformationen, des sogenannten Gen-Targetings, erhalten zwei amerikanische und ein britischer Wissenschaftler den diesjährigen Medizin-Nobelpreis. Die Amerikaner Mario R. Capecchi und Oliver Smithies sowie der Brite Martin J. Evans teilen sich den mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierten Preis für ihre „bahnbrechenden Entdeckungen“ über embryonale Stammzellen und die sogenannte DNA-Rekombination bei Säugern, wie das für die Preisvergabe zuständige Karolinische Institut in Stockholm bekannt gab. Die drei Forscher entwickelten zum Teil unabhängig voneinander eine Methode, mit der sich nahezu alle beliebigen Erbanlagen bei Mäusen verändern und sogar abschalten lassen.

Die Technik, die die drei bereits vor über 20 Jahren entwickelten, ermöglicht die „Abschaltung“ bestimmter Erbanlagen. Deshalb werden die Gen-Forscher auch als „Gen-Knipser“ bezeichnet. Das Ergebnis der Abschaltung einzelner Erbinformationen lieferte dann Aufschluss über die Funktion des ausgeschalteten Gens: Die Mäuse hatten beispielsweise zu kurze Beine oder andere Disfunktionen. So konnten die Wissenschaftler einzelnen Genen bestimmte Funktionen im Erbgut zuweisen.

Mittlerweile sind bereits über 10 000 Gene von Mäusen verändert oder sogar ausgeschaltet worden. Die Entdeckung der drei Wissenschaftler ist wichtig, da erst durch das Wissen, welches Gen für welche körperliche Fehlfunktion verantwortlich ist, es künftig möglich sein wird, schwere Krankheiten auch beim Menschen effektiv zu therapieren. Professor Urban Lendahl, selbst Mitglied des Preiskommitees des Karolinischen Instituts, bezeichnet die Entdeckung der Preisträger als „biomedizinische Revolution“.

Wir können uns heute jedes einzelne Gen in unserer Erbmasse anschauen. Das ist wichtig für die Bekämpfung von Herz- und Kreislauferkrankungen, aber auch von Krebs, neurodegenerativen Erkrankungen und Diabetes“, sagte Lendahl kurz nach der Bekanntgabe der Preisträger. Der Wissenschaftler hob hervor, dass die Forschungen der jetzt Ausgezeichneten zur Entwicklung neuer Medikamente führen werden. Da das Erbgut von Mäusen und Menschen ähnlich ist, lassen sich die gewonnenen Erkenntnisse auf die Behandlung von Krankheiten beim Menschen übertragen.

Seite 1:

Von Gen-Knipsern und Knock-Out-Mäusen

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%