Nobelpreisträger
Arbeit, Glück – und ein bisschen Genialität

Kommende Woche werden die Nobelpreisträger 2014 bekanntgegeben. Grund genug, einmal der Frage nachzugehen, was einen Forscher eigentlich für den begehrtesten Wissenschaftspreis der Welt qualifiziert.
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StockholmDer schottische Nobelpreisträger Alexander Fleming war angeblich ein fauler Kerl, der sein Labor nur selten aufräumte. Während seine Kollegen ihre Schreibtische blitzblank putzten, bevor sie in den Urlaub fuhren, ließ er die Petrischalen unordentlich auf dem Tisch stehen, das Fenster offen. Diese Schludrigkeit hat die Welt verändert. Denn dadurch entdeckte Fleming zufällig die antibiotische Wirkung von Penizillin.

Als er aus den Ferien zurückkam, fand der Schotte nämlich auf Stellen in einer seiner Petrischalen nicht die angesetzten Bakterien, sondern etwas, das die Mikroben abgetötet hatte. Er nannte seine Entdeckung Penizillin – sie hat seither Millionen Menschen das Leben gerettet.

Das Beispiel zeigt: Um einen der Wissenschafts-Nobelpreise zu bekommen, die in der kommenden Woche (6. bis 8. Oktober) wieder vergeben werden, muss ein Wissenschaftler nicht nur hartnäckig forschen. Oft gehört auch eine große Portion Glück dazu.

„Fleming war nicht der Typ, der die meisten Stunden im Labor verbracht hat“, sagt der Direktor des Stockholmer Nobel-Museums, Olov Amelin. „Aber er war ein sehr cleverer Kerl, der die richtigen Schlüsse ziehen konnte. Das Glück kommt selten zu den Unvorbereiteten. “

„Ein Nobelpreisträger hat in der Regel mindestens zehn Jahre seines wissenschaftlichen Lebens damit verbracht, sehr hart an etwas zu arbeiten“, sagt Astrid Gräslund, Ständige Sekretärin des Nobelkomitees für Chemie. Kein Wunder, dass nur wenige Forscher den Nobelpreis gleich am Anfang ihrer Karriere bekommen. „Es ist kein Jugendpreis“, sagt Gräslund.

Auch Fleming war schließlich gezielt auf der Suche nach einem Weg, Bakterien zu töten. Trotzdem hatte er das Quäntchen Glück, auf das andere erfolgreiche Wissenschaftler ihr Leben lang hoffen.

„Wir vergeben keine Preise für das Lebenswerk“, sagt Gräslund. „Viele Wissenschaftler haben große Beiträge zur Forschung geleistet – aber sie sind an nichts festzumachen, das wirklich die Welt verändert hat. Dann bekommen sie den Preis nicht.“ Wenn die Nobelkomitees für Physik, Chemie und Medizin wissenschaftliche Veröffentlichungen auf der Suche nach den nächsten Nobelpreisträgern durchackern, stöbern sie nach einem „Türöffner“ – einer wegweisenden Entdeckung.

Den ersten Physik-Nobelpreis für einen solchen „Türöffner“ bekam Wilhelm Conrad Röntgen 1901. Beim Experimentieren entdeckte er Strahlen, die den Körper durchdringen konnten – die Röntgen-Strahlen. Doch ganz zufällig kam auch diese Entdeckung nicht. Vor allem war Röntgen ein hartnäckiger Forscher, der „wochenlang in seinem Labor sowohl schlief als auch aß“, wie der Autor Lars-Åke Skagegård in einem Buch über den Nobelpreis schreibt.

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