Nobelpreisträger im Bild
Noble Einblicke

Der in Berlin lebende Fotograf Peter Badge hat ein ungewöhnliches Buch veröffentlicht: Mehr als 300 Nobelpreisträgerin sehr persönlichen Aufnahmen. Beeindruckend wie das Werk sind allerdings auch seine Dimensionen.

FRANKFURT. George Akerlof hat in seinem Leben schon ein paar Bücher geschrieben und noch weit mehr gelesen. Mit einem aber war er jüngst ein wenig überfordert. Mit einem Buch, in dem er selbst auf den Seiten sechs und sieben portraitiert wird. Und auf den wenigen Seiten vor und den vielen nach ihm auch alle anderen lebenden Nobelpreisträger. „Das Buch ist so groß, dass ich es mir lieber nach Hause schicken lasse anstatt es in meinem Koffer mitzunehmen“, erzählt der amerikanische Ökonom lachend. „Es ist ein beeindruckendes Werk – aber beinahe größer als ich.“

Akerlof und 305 weitere Nobelpreisträger – sie alle hat der in Berlin lebende Fotograf Peter Badge zwischen Juni 2000 und Mai 2008 getroffen und fotografiert. Meist in deren Heimat, manches Mal in Stockholm, wo der schwedische König Jahr für Jahr feierlich die Nobelpreise verleiht. Herausgekommen ist ein einzigartiger Bildband, in dem die mit dem Nobelpreis geadelten Naturwissenschaftler, Literaten, Politiker und Wirtschaftwissenschaftler auf Schwarz-Weiß-Aufnahmen abgebildet sind.

Von A bis Z werden alle in dem königsblaugebundenen Buch mit dem schlichten Titel „Nobels“ vorgestellt: Von dem Physiker Alexei Abrikosov auf den Seiten zwei und drei, der 2003 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, bis zu dem Mediziner Rolf M. Zinkernagel auf den Seiten 610 und 611, der 1996 geehrt wurde. Mal füllt ein Gesicht das gesamte Format wie das runde, freundliche Anlitz von Abrikosov. Mal ist der Portraitierte Teil einer Szene, wie der Amerikaner John S. Hall. Den Physik-Nobelpreisträger hatte Badge bereits in Stockholm fotografiert, da erreichte den Fotograf der Wunsch des Laureaten: Der wollte vor seinem Lieblingsberg nahe Boulder-City aufgenommen werden. Gewünscht, getan: Badge reiste in die USA und ging mit Hall und dessen Frau wandern.

/Default.aspx?_p=135&_t=ig_p&ig_xmlfile=hb_nobelpreis_fotos.xml&_b=2053938

„Ich bin immer allein gereist“, erzählt der Künstler. Je höher die Intimsphäre sei, desto besser die Voraussetzungen für Portraitaufnahmen. Ideal seien Treffen, bei denen „die Fotografie zur Nebensache wird und man mitten im Gespräch mal zwei, drei Bilder macht“.

Es sind die unterschiedlichsten Geschichten, die Badge mit den Laureaten erlebt hat und dem Betrachter erzählt. Mal traurige, wie mit dem Chemie-Nobelpreisträger R. Bruce Merrifield, der gezeichnet von seiner schweren Krankheit nicht vollständig auf dem Bild zu sehen sein wollte, und – um seine Würde nicht zu verlieren – ein Foto aus gesunden Tagen selbst vor sich hielt. Mal sind es kuriose Begebenheiten, wie bei dem Treffen mit dem inzwischen 93-jährigen Ökonomie-Nobelpreisträger Paul A. Samuelson, der Badge zu sich und seinem Hund einlud. „Ich dürfe ihn gern in seinem Ferienhaus besuchen, sagte er – dort wohne er mit seinem Hund“, erzählt Badge und fügt mit der gleichen Pause, die Samuelson damals gemacht habe, hinzu: „Und mit seiner Frau“. Die Schlussfolgerung lag für Badge auf der Hand: Der Hund musste auf das Foto. Und da sitzt er nun, mannshoch neben dem großen Wirtschaftswissenschaftler.

Seite 1:

Noble Einblicke

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%