Notfall-Weste
Lebensretter aus Fleece

Studenten haben eine Hightech-Weste gebaut. Von außen sieht sie wie ein gewöhnliches Kleidungsstück aus, doch ihr Inneres kann im Notfall Leben retten.
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BerlinGerade im Winter kann ein Sturz oder Kreislaufkollaps für ältere Menschen fatale Folgen haben. Wird nicht rechtzeitig ein Rettungsteam alarmiert, droht schnell Unterkühlung. Doch wer bei einem Spaziergang im Wald oder Park kollabiert oder einen Herzinfarkt erleidet, kann oft nicht mehr selbst Hilfe holen. Dabei zählt gerade dann jede Sekunde. Mit einer Weste, die wie ein gewöhnliches Kleidungsstück aussieht, wollen drei Mechatronik-Studenten der Fachhochschule Aachen die Überlebenschancen von in Not geratenen Menschen erhöhen.

Vor anderthalb Jahren kamen die Studenten Benedikt Janssen, Christian Gille und Jan Kempken auf die Idee, eine Notfallweste zu entwickeln. Mittlerweile gibt es einen Prototyp vom „Vital Controlling And Emergency Call Waistcoat“, wie das Textil, das Leben retten soll, heißt. Aus grauem Microfleece gefertigt, erinnert diese Weste an jene, die man in jedem Fachgeschäft fürs Campen und Wandern bekommt.

Notruf per SMS

Doch diese Weste kann mehr. „Mit dem Vitalfunktionsgurt im Innern werden Herz- und Atemfrequenz überwacht. Fallen die gemessenen Werte unter einen bestimmten Wert, wird automatisch ein Notruf abgesetzt“, erklärt Benedikt Janssen. Dies geschehe per Sms, in der die letzten Vitalwerte gleich mitgeschickt werden. Dank eines GPS-Senders könne zudem genau festgestellt werden, wo sich die verunglückte Person befinde. „Über einen Notfallknopf kann man auch selbstständig einen Notruf absetzen“, fügt er hinzu.

Vor allem im Winter können kollabierte oder gestürzte Personen schnell unterkühlen oder Erfrierungen erleiden. Vier Sensoren in der Weste messen daher Haut- und Außentemperatur. Ab einem Grenzwert aktivieren sich die in Taschen eingearbeiteten Heizmodule. „Die Zeit, bis der Rettungsdienst da ist, kann so überbrückt werden“, erklärt Janssen. Insgesamt, so glaubt der Student, könne die Weste Kranken und Alten zu neuer Lebensqualität verhelfen. „Alte Leute, die Angst haben, auf die Straße zu gehen, könnten neue Mobilität erhalten“, sagt er.

Weste noch nicht marktreif

Mit ihrer Notfallweste konnten die drei Mechatronik-Studenten aus Aachen erste Erfolge verbuchen. Im Oktober gewannen sie einen Wettbewerb des Verbandes der Elektrotechnik. Im Juni 2012 wollen sich die drei Tüftler mit ihrem Projekt in Peking der internationalen Konkurrenz stellen. Neben Preisgeldern locken vor allem Industriekontakte - wichtig für die weitere Umsetzung des Projekts.

Doch bis es nach China geht, bleibt viel zu tun. Denn die Notfallweste hat ihren Praxistest noch nicht bestanden. Erst Anfang nächsten Jahres soll ein erster Probedurchlauf mit Senioren starten. Bis es soweit sei, müsse aber noch eine technische Hürde genommen werden, sagt Janssen. Zur Kontrolle der Herzfrequenz müssten sich Träger der Weste momentan noch Elektroden auf die Brust kleben. „Nicht gerade alltagstauglich“, findet Janssen. Bis zum Testdurchlauf wollen die Studenten darum die Elektroden in die Weste integrieren, damit sie am Ende einfach nur noch angezogen werden müsse. In der Testphase wolle man zudem auch den Rat von Medizinern einholen, kündigt Janssen an. Auf dem Weg zur Marktreife sind also noch einige Fragen zu klären. Am Ende könnte aber ein Produkt stehen, dass den Winterspaziergang für ältere Menschen etwas sicherer macht.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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