Forschung + Innovation
Notfallpläne könnten Vogelgrippe bei Menschen eindämmen

London/Washington (dpa) ­ Mit Grippemedikamenten, Impfungen und durch eine rechtzeitige Isolierung Infizierter ließe sich ein Vogelgrippe-Ausbruch bei Menschen eindämmen, bevor es zu einer verheerenden weltweiten Epidemie kommt.

London/Washington (dpa) ­ Mit Grippemedikamenten, Impfungen und durch eine rechtzeitige Isolierung Infizierter ließe sich ein Vogelgrippe-Ausbruch bei Menschen eindämmen, bevor es zu einer verheerenden weltweiten Epidemie kommt.

Zu dieser Einschätzung kommen zwei internationale Forscherteams, nachdem sie die Ausbreitung des Erregers und die Wirksamkeit verschiedener Gegenmaßnahmen am Computer simuliert haben. Selbst wenn sich die Vogelgrippe nicht ganz stoppen ließe, verschafften die Maßnahmen Zeit für die Herstellung eines geeigneten Impfstoffes, schreiben die Wissenschaftler in den Fachmagazinen „Nature“ (DOI: 10.1 038/nature04017) und „Science“ (DOI: 10.1 126/science.1 115 717).

Derzeit grassiert die Vogelgrippe unter Geflügel in Asien, kürzlich wurden auch in Russland und der benachbarten Republik Kasachstan infizierte Tiere entdeckt. Auf den Menschen ist das Virus des Typs H5n1 bisher nur vereinzelt übergegangen, mehr als 40 Menschen sind jedoch bereits daran gestorben.

Experten fürchten eine mögliche Veränderung des Erregers, die ihn früher oder später auch von Mensch zu Mensch übertragbar machen könnte. Eine rasante weltweite Ausbreitung, eine so genannte Grippe- Pandemie, mit möglicherweise mehreren Mill. Toten könnte die Folge sein. Ein Impfstoff gegen ein solches Grippevirus gibt es derzeit nicht, da dieser erst produziert werden kann, wenn das veränderte Virus wirklich auftaucht. Die Herstellung würde dann etwa sechs Monate in Anspruch nehmen.

Wissenschaftler um Elizabeth Halloran von der Emory University (Atlanta/US-Bundesstaat Georgia) sowie um Donald Burke von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health (Baltimore/US-Bundesstaat Maryland) simulierten nun mit einem Computermodell den Ausbruch der Vogelgrippe in einer ländlichen Region Südostasiens. Die bäuerliche Bevölkerung dort lebt auf engem Raum mit dem Geflügel zusammen. Deswegen glauben Experten, dass das Virus am ehesten in dieser Region die Fähigkeit erwirbt, sich direkt unter Menschen auszubreiten.

Den Computermodellen lagen Angaben zur Bevölkerungsstruktur in Thailand zu Grunde, also etwa die Altersverteilung und Haushaltsgröße in der Bevölkerung. Mit diesen Daten vollzogen die Forscher nach, wie viele Kontakte zu anderen Menschen ein typischer Bürger an einem Tag hat - am Arbeitsplatz, in der Schule oder auf öffentlichen Plätzen zum Beispiel. Ausgehend von einem einzigen Infizierten analysierten sie dann, wie das Virus sich in der Bevölkerung ausbreitet und welche Gegenmaßnahmen die Ausbreitung am effektivsten eindämmt.

Am wirkungsvollsten erwies sich die Verabreichung antiviraler Medikamente, wie sie in Deutschland auch die Bundesländer auf Vorrat anschaffen. Auch eine Impfung, selbst mit einem unspezifischen, nicht genau auf den Virustyp zugeschnittenen Impfstoff, erhöhte die Chancen, die Ausbreitung zu stoppen. Allerdings hängt die Effektivität der Maßnahmen von der Aggressivität des Virus ab, die sich daraus ergibt, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt. Darüber können die Wissenschaftler bislang nur spekulieren, denn niemand weiß, welche genauen Eigenschaften das veränderte Grippevirus haben wird. Tritt ein aggressiverer Virustyp auf, müssten zusätzlich zu den Medikamenten und der Impfung Quarantäne-Maßnahmen verhängt werden, schreiben die Forscher.

Prinzipiell hängt der Erfolg der Maßnahmen davon ab, wie schnell sie zum Einsatz kommen. So müsste ein Ausbruch nicht nur rechtzeitig erkannt werden, auch Medikamente und Impfstoffe müssten in ausreichendem Maße vorhanden sein und schnell an den Einsatzort geliefert werden. Nach Angaben der Autoren hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) derzeit einen Vorrat von 120 000 Medikamenten-Dosen. Dies sei möglicherweise ausreichend, wenn das Virus an seinem Ursprungsort innerhalb von zwei bis drei Wochen nach seiner Entdeckung bekämpft werde. Misslingt die Eindämmung oder entsteht ein neuer Virustyp an mehreren Orten gleichzeitig, könnten bis zu einer Mill. Medikamenten-Dosen notwendig werden.

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