Novartis und Speedel erweitern Therapieoptionen mit dem ersten Reninblocker
Hormonhemmer senkt Bluthochdruck

Nur wenige Krankheiten werden derart intensiv erforscht und behandelt wie Bluthochdruck. Dennoch ist die Therapiesituation alles andere als optimal.

FRANKFURT. Lediglich ein Viertel aller Hypotoniker, schätzen Experten, haben ihren hohen Blutdruck effektiv unter Kontrolle. Bei allen anderen Patienten fehlt es an einer adäquaten Behandlung oder die vorhandenen Medikamente wirken nicht ausreichend.

Mit Interesse verfolgen Mediziner daher die Arbeiten an einem neuartigen Wirkstoff, den die Baseler Novartis AG und ihr Partner, das Biotechunternehmen Speedel, im kommenden Jahr bei den Zulassungsbehörden einreichen wollen. Das Mittel unter dem Namen „Aliskiren“ ist ein so genannter Reninhemmer. Renin ist ein vom menschlichen Organismus gebildetes Hormon, welches die Bildung von Substanzen reguliert, die für die Kontraktion der Blutgefäße verantwortlich sind. Mit der Hemmung dieses Hormons wird der Blutdruck indirekt gesenkt.

Sind die abschließenden klinischen Tests und Genehmigungsverfahren erfolgreich, könnte Aliskiren 2007 auf den Markt kommen. Es wäre dann der erste grundlegend neue Wirkstoff gegen Bluthochdruck seit mehr als einem Jahrzehnt.

Blutdrucksenkende Medikamente setzen an verschiedenen Punkten im Körper an: Sie verringern die Flüssigkeitsmenge in den Blutbahnen, erweitern die Blutgefäße oder blockieren Körperreaktionen auf Stress. Mit neueren Wirkstoffen, die nicht nur eine blutdrucksenkende Wirkung besitzen, sondern gleichzeitig auch gefährdete Organe schützen, haben Arzneimittelhersteller die Therapie bei Hypertonie verbessert: So senken neuere Medikamente wie die ACE-Hemmer den Blutdruck, indem sie den Widerstand in den Blutgefäßen vermindern und gleichzeitig verhindern, dass der Körper zu viel Salz und Wasser speichert. So genannte Kalziumantagonisten erweitern die Blutgefäße, gleichzeitig bremsen sie den Herzmuskel in den Anspannungsphasen etwas ab.

Bereits in den 70er-Jahren gelang es erstmals, in den Renin-Stoffwechsel einzugreifen, der die Engstellung der Blutgefäße bewirkt. Die ACE-Hemmer leiteten damals eine erste Revolution in der Blutdrucktherapie ein. Zwei Jahrzehnte später folgten Substanzen, die die Angiotensin-Rezeptoren auf den Gefäßzellen blockieren. Diese so genannten ARBs, darunter Medikamente wie „Diovan“ von Novartis, „Atacand“ von Astra-Zeneca oder „Micardis“ von Boehringer befinden sich derzeit auf dem Vormarsch und gehören mit jährlich mehr als 12 Mrd. Dollar Umsatz zu den wichtigsten Produktgruppen der Pharmabranche.

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