Ocean Infinity

Die 70-Millionen-Dollar-Wette um MH370

Eine der größten Rätsel der Luftfahrtgeschichte soll doch noch gelöst werden. Ein US-Unternehmen macht sich auf die Suche nach der verschollenen Boeing von Malaysia Airlines – und wird nur im Erfolgsfall bezahlt.
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Das norwegische Forschungsschiff soll das verschollene Wrack von MH370 aufspüren. Quelle: AP
„Seabed Constructor“

Das norwegische Forschungsschiff soll das verschollene Wrack von MH370 aufspüren.

(Foto: AP)

BangkokDie Chancen stehen nicht schlecht. Auf 85 Prozent schätzt der malaysische Verkehrsminister Liow Tiong Lai die Wahrscheinlichkeit, dass eines der größten Rätsel der Luftfahrtgeschichte aufgeklärt wird: Wo liegt das Wrack der vermissten Malaysia Airlines Maschine MH370?

Am Mittwoch vereinbarte der Minister mit dem amerikanischen Explorationsunternehmen Ocean Infinity einen Deal: Mit einem hochmodernen Schiff samt mehrerer Mini-U-Boote machen sich die Amerikaner auf die Suche nach dem Wrack. Sind sie erfolgreich, bezahlt Malaysia ihnen bis zu 70 Millionen US-Dollar. Scheitert die Expedition, geht das Unternehmen leer aus. Am 17. Januar beginnt die Suche, 90 Tage nimmt sich Ocean Infinity dafür Zeit. Das Schiff ist bereits auf dem Weg ins Zielgebiet.

Seit fast vier Jahren ist die Boeing 777 mit 239 Passagieren an Bord nun verschollen. Im März 2014 verschwand die Maschine der malaysischen Fluggesellschaft auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking plötzlich vom Radar. Ermittler gehen davon aus, dass die Boeing noch mehrere Stunden weiterflog und schließlich im Indischen Ozean westlich von Australien ins Meer stürzte. Doch wo genau und warum, ist bis heute ein ungelöstes Rätsel.

Auf das Verschwinden folgte eine der teuersten Suchaktionen der Geschichte. Zunächst suchten Frachter und Militärjets nach Überresten des Unglücksfluges. Zuletzt scannte das niederländische Unternehmen Fugro ein 120.000 Quadratkilometer großes Gebiet im Indischen Ozean ab. Die Fläche ist etwa groß wie alle neuen Bundesländer zusammen.

Mehr als 150 Millionen US-Dollar hat die vergebliche Suche bisher insgesamt gekostet. Das bescheidene Ergebnis: Zwei Schiffwracks wurden gefunden und ein entlegenes Gebiet im Indischen Ozean gehört nun zu den am besten vermessenen Zonen der Weltmeere. Erst Anfang 2017 beendeten die beteiligten Staaten China, Malaysia und Australien die Aktion.

Die nun von australischen Experten identifizierte Suchzone ist deutlich kleiner. Sie liegt nördlich des alten Gebietes und misst nur 20.000 Quadratkilometer, ist also nur etwas größer als Hessen. Die Experten stützen sich dabei auf mehrere Hinweise: So wurden mindestens drei Wrackteile von MH370 an Stränden des westlichen Indischen Ozeans gefunden. Anhand von Strömungsdaten berechneten die Forscher so eine mögliche Absturzstelle. Bilder möglicher Trümmerteile, die französische Spionagesatelliten machten, halfen ebenfalls bei der Lokalisierung.

Wo genau MH370 gefunden wird, hat auch Auswirkungen auf den Preis der Suchaktion. Denn das Honorar für Ocean Infinity ist gestaffelt: Stößt die Mannschaft auf das Wrack bereits in den ersten 5000 Quadratkilometern, erhalten die Amerikaner 20 Millionen US-Dollar, treffen sie in den ersten 10.000 Quadratkilometern auf die Überreste sind es bereits 30 Millionen. Sind sie erst danach erfolgreich, steigt der Betrag schließlich auf bis zu 70 Millionen.

Der Chef von Ocean Infinity, Oliver Plunkett, äußerte sich optimistisch, die Mission erfolgreich abzuschließen. Dabei ist die Suche auch für sein Unternehmen etwas Neues. Eigentlich arbeitet Ocean Infinity vornehmlich für Kunden aus der Öl- und Gasindustrie. Immerhin probte die Crew nun schon das Aufspüren von Wrackteilen an der Küste Südafrikas.

Plunketts Hoffnung stützt sich vor allem auf Hochtechnologie. Die Suchmannschaft vertraut auf eines der modernsten Schiffe, das derzeit über die Weltmeere kreuzt: Das norwegische Forschungsschiff „Seabed Constructor”. Von ihm aus werden rund acht unbemannte Mini-U-Boote gesteuert, die per Seitensonar den Meeresboden absuchen werden. Sie sind fast zwei Tonnen schwer und können bis zu sechs Kilometer tief tauchen – deutlich tiefer als die Niederländer kamen.

Flug MH 370 endete im Sturzflug
Was geschah mit Flug MH 370?
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Die vor zweieinhalb Jahren verschwundene Malaysia-Airlines-Boeing mit der Flugnummer MH 370 ist wahrscheinlich nach einem unkontrollierten Sturzflug im Meer versunken. Zu diesem Schluss kommen australische Experten in einer neuen Analyse.

Experten untersuchen Trümmerteil
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Es ist das erste Mal, dass Experten eine klare Schlussfolgerung aus der Analyse eines der mehr als 20 inzwischen identifizierten Trümmerteile gezogen haben. Das bei Tansania angespülte Teil zeige, dass die Landungsklappen mit größter Wahrscheinlichkeit nicht ausgefahren waren. Das wäre der Fall gewesen, wenn ein Pilot versucht hätte, das Flugzeug auf dem Wasser zu landen.

Nicht auf eine kontrollierte Landung ausgerichtet
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„Dies bedeutet, dass die Maschine nicht auf eine kontrollierte Landung ausgerichtet war“, sagte Peter Foley von der australischen Behörde für Transportsicherheit (ATSB) in Canberra. „Jeder kann seine eigenen Schlüsse daraus ziehen, ob jemand das Flugzeug am Ende unter Kontrolle hatte.“

Flug MH 370
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Flug MH 370 (hier ein Archivbild aus Februar 2014) war im März 2014 auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking mit 239 Menschen an Bord spurlos verschwunden.

Mögliche Route der Unglücksmaschine
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Satellitendaten legen nahe, dass die Maschine noch stundenlang Richtung Süden flog. Ermittler vermuten, dass sie im Indischen Ozean westlich von Australien abstürzte, als der Treibstoff zu Ende war.

Auf der Suche nach Flug MH 370
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Neben den Trümmerteilen wurden auch Satellitendaten neu ausgewertet. „Danach zu schließen, sank die Maschine beim Auffangen des letzten Signals mit hoher und steigender Geschwindigkeit“, sagte ATSB-Sprecher Dan O'Malley. Solche Sinkraten sind bei einer am Ende des Flugs nicht mehr kontrollierten Maschine zu erwarten.

Niemand weiß, was an Bord passierte
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Niemand weiß, was wirklich an Bord passierte. Der Kontakt zu der Maschine brach nach rund einer Stunde Flugzeit ab.

Was die Hightech-Geräte aufzeichnen, wird jedoch von Menschen ausgewertet. Das Unternehmen hat sich deswegen Hilfe geholt. Zu den 65 Crew-Mitgliedern gehören auch Experten, die nach dem Air-France-Flug 447 suchten, der 2009 vor der Küste Brasiliens abstürzte. Mindestens drei Experten untersuchen jede aufgezeichnete Information nach Auffälligkeiten. Besonders interessante Stellen werden dann mit der Kamera der Mini-U-Boote überprüft.

Endgültiges Ziel der Mission ist es, die beiden Flugschreiber der Maschine zu finden. Die Bergung ist jedoch noch nicht Teil des Auftrages für Ocean Infinity. Später sollen sie aber gehoben werden. „Meine Hoffnung ist, dass wir Antworten darauf finden, nach denen wir seit vier Jahren suchen”, sagte der malaysische Verkehrsminister Liow bei der Unterzeichnung des Vertrages. Man müsse nun den unglücklichen Unfall endlich aufklären.

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