Ökologische Verpackungskonzepte
Die Suche nach dem richtigen Mehrweg

Die Diskussion um die Ökobilanz von Verpackungen ist in vollem Gang. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts EHI setzen die Entscheider auf nachhaltige Verpackungskonzepte, zumal sie vom Kunden und Handel eingefordert werden. Biokunststoffe boomen, dabei können auch normale Verpackungen Öko sein.

BERLIN. Die Getränkedose - ein Umweltsünder. Oder? Gerrit Heske jedenfalls kann leidenschaftlich werden, wenn das Thema zur Sprache kommt: "Die Dose steht hierzulande als böser Bube da", klagt der Präsident des Verpackungstechnikers Ball Packaging Europe aus Ratingen. Dosen sind nun mal sein Geschäft. "Sie werden im Hinblick auf ihre Umwelt- und Klimafreundlichkeit meist unterschätzt", hebt Heske an, um klarzustellen: "Dosen sind heute die weltweit am meisten recycelte Getränkeverpackung." Und das, betont Heske, im Gegensatz zu Glas- und PET-Verpackungen ohne Qualitätsverlust. Im Grunde sei die Dose beliebig häufig wieder verwertbar. Es bleiben keine minderwertigen Reste.

Die Diskussion um die Ökobilanz von Verpackungen ist in vollem Gang. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts des Handels EHI setzen die Entscheider auf nachhaltige Verpackungskonzepte, zumal sie vom Kunden und Handel eingefordert werden. Allerdings herrscht unter den Befragten eine gewisse Ratlosigkeit. Gerade einmal 16 Prozent geben an, zu wissen, auf was es dabei ankommt.

Wer von nachhaltigen Verpackungen spricht, redet oft von Biokunststoffen und meint kompostierbare Hüllen, die nach Gebrauch einfach verrotten. Besichtigen lässt sich der Stand der Dinge zum Beispiel bei der Fkur Kunststoff GmbH in Willich. Zusammen mit dem Fraunhofer-Institut Umsicht in Oberhausen hat die Firma biologisch abbaubare Kunststoffe entwickelt, die meist aus natürlichen Rohstoffen bestehen. Aus Cellulose produziert Fkur einen Bio-Kunststoff, so steif und vielfältig zu verarbeiten wie Polystyrol.

Genau wie auch die biologisch abbaubaren Fkur-Müllbeutel enthält das Material keine Stärke: So schließt es Feuchtigkeit besser ein als andere Biokunststoffe. Zusammen mit Fraunhofer-Forschern arbeiten die Entwickler jetzt an noch wasserdichteren Verbindungen, so dass etwa ein Haarshampoo Jahre gelagert werden könnte, ohne dass es austrocknet.

Sogar filigrane Netze für Kartoffeln oder Orangen fertigt Fkur neuerdings aus Biokunststoff, selbst transparente Schutz- und Schrumpffolien, mit denen etwa Sixpacks zusammengehalten werden, bietet die Firma an: "Diese Folien sind so reißfest wie vergleichbare aus PET", sagt Geschäftsführer Edmund Dolfen. Fkur legt Wert darauf, dass alle Bio-Kunststoffe auch biologisch abbaubar sind, also binnen 90 Tagen zu 90 Prozent verrotten. Dies gilt längst nicht für jedes Ökoplastik (siehe Grafik).

Ball-Chef Heske streitet auch deshalb für die Rehabilitierung konventioneller Verpackungsstoffe. In Deutschland erreiche die Getränkedose eine Recyclingrate von 90 Prozent, doziert er. Im Schnitt feiert sie nach zwei Monaten ihre Wiederauferstehung. Und: "Das Recycling von Getränkedosen spart bis zu 95 Prozent der Energie, die zur Produktion von Neumaterial benötigt wird."

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