Ohne Nutzen
Französischer Astronaut kritisiert Discovery- Einsatz

Kurz vor dem mit Spannung erwarteten Discovery-Start kommen aus Frankreich kritische Töne: Der französische Astronaut Patrick Baudry forderte am Mittwoch in der Zeitung "France Soir" die Einstellung der Shuttle-Flüge und der Raumstation ISS. Die jahrzehntelangen Projekte brächten keinen Nutzen und 100 Milliarden Dollar seien zum Fenster hinausgeworfen, sagte Baudry. Die Steuermittel sollten sinnvoller verwendet werden.

HB PARIS. "Wir müssen zurück auf den Mond und dort eine ständige Station einrichten", forderte der Franzose weiter. Der Mond sei nur 400 000 Kilometer entfernt und biete wertvolle Rohstoffe wie Helium-3. Außerdem könne man von seiner Rückseite aus das Weltall ungestört erforschen.

Rückendeckung erhält Baudry vom früheren NASA-Historiker Professor Alex Roland. Auch er kritisierte den bevorstehenden Einsatz der Raumfähre, der fünf Mal so teuer sei wie ursprünglich geplant. "Man muss die Internationale Raumstation abbauen, die ein Finanzgrab und praktisch nutzlos ist, oder sie in ein ständig bewohntes Labor umwandeln", sagte er der Zeitung "Le Parisien". "Außerdem muss man die Raumfähre aufgeben oder sie unbemannt einsetzen und einen neuen Typus Raumfahrzeug entwickeln."

Der NASA-Experte berief sich bei seiner Kritik auf eine US-Kommission, die nach der "Challenger"-Katastrophe zu dem Schluss gekommen sei, dass die Raumfähre "zu zerbrechlich und zu teuer" ist. Er verstehe nicht, dass die NASA weiter mache, als sei nichts geschehen.

Ungeachtet solcher Kritik verfolgen europäische Experten den für Mittwoch geplanten Start der US-Raumfähre "Discovery" mit Hoffen und Bangen. Mit dem Erfolg des Fluges seien die "Zukunft der bemannten Raumfahrt und insbesondere die der internationalen Raumstation verbunden", sagte etwa der Programmchef Bemannte Raumflüge der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, Daniel Sacotte.

Die Fähre sei unverzichtbar für die Vollendung der Raumstation, sagte Sacotte. Aber dennoch werde es bis 2010 nicht mehr als vier Flüge pro Jahr geben. Denn auch er weiß: Die Europäer müssten bald entscheiden, ob sie den Amerikanern auf dem Weg zum Mond folgen oder direkt die Erkundung des Mars angehen wollten.

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