Outdoor
Rucksack-Roller: Das Rad neu erfinden

Der Frust stand Pate, als Thomas Kaiser die Idee kam. In der Dorfschmiede hat Kaiser einen geländetauglichen Rucksack-Roller für Bergwanderer geschweißt. Nun steht das Fun-Sport-Teil kurz vor der Marktreife. Wie der Maschinenbaustudent ins Unternehmertum reinschlitterte.
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HB. Mit einem Kumpel war er im August 2007 zu einer Bergtour aufgebrochen: erst 75 Kilometer mit dem Mountainbike, dann fünf Stunden Fußmarsch auf den Gipfel des 2592 Meter hohen Hochvogels. „Eine Gewalttour“, erinnert sich der geborene Allgäuer, der von Kindesbeinen an in den Alpen unterwegs ist. Das Gipfelglück wich an jenem Tag schnell dem Bedauern über den bevorstehenden mühsamen Abstieg. „Damals hätte ich zum ersten Mal gerne einen fahrbaren Untersatz im Rucksack dabei gehabt“, erzählt Kaiser.

Anderthalb Jahre später steht der 22-Jährige kurz davor, einen geländegängigen Bergroller auf den Markt zu bringen, der den Abstieg für Bergsteiger zu einem Fun-Sport-Erlebnis machen soll. Aus dem Kofferraum seines angerosteten Opel Astra holt er den Prototypen: Auf Anhieb wirkt dieser wie eine Mischung aus Trecking-Rucksack und stylischem Klapprad. Man kann sich das neun Kilo schwere Teil bequem auf den Rücken schnallen – Stauraum für eine Tagestour ist obendrein vorhanden. Auf dem Gipfel wird der Rucksack zum Roller. Mit wenigen Handgriffen setzt Kaiser den Rahmen zusammen, montiert die Räder und klappt die Fußrasten aus. „Damit kannscht total krass die Hänge runterbolzen“, sagt er und drückt wie zum Beweis ein paarmal energisch auf die Federgabel. Der Markt, auf den Kaiser abzielt, ist groß: In Europa werden mit Outdoor-Artikeln jedes Jahr über fünf Milliarden Euro umgesetzt, schätzt der Branchenverband European Outdoor Group. Tendenz steigend. Wandern – einst als langweilig und spießig verschrien – hat sich zum Trendsport gemausert. Vor allem die jüngere Generation entdeckt das Bergwandern wieder für sich, hat der Natursoziologe Rainer Brämer von der Universität Marburg in Umfragen herausgefunden. Kaiser ist entsprechend zuversichtlich: „Der Bedarf ist da.“

Ins Unternehmertum ist der junge Maschinenbaustudent reingeschlittert. „Ursprünglich wollte ich das Teil gar nicht selbst bauen“, sagt Kaiser. Nach der Tour auf den Hochvogel machte er sich zunächst nur auf die Suche nach vorhandenen Gefährten, durchforstete das Internet, Kataloge und Patentdatenbanken. Doch was er fand, stellte ihn nicht zufrieden. Der österreichische Hersteller Stanley Rider bietet einen Leichtbauroller an, bei dem die Wanderstöcke zum Rahmen umfunktioniert werden. Und eine Gruppe bayerischer Studenten hat einen Mini-Schlitten mit Rädern entworfen, der im Rucksack mitgetragen werden kann. „Nicht geländetauglich“, lautete Kaisers Urteil in beiden Fällen. Ihm schwebte ein Cross-Roller vor, mit dem man selbst steilstes, unwegsamstes Gelände befahren kann. Es blieb ihm nichts anderes übrig: Er musste ihn selbst bauen.

In der nahe gelegenen Dorfschmiede entstanden die ersten Entwürfe – aus Schrott. Die Schmiede gehört der Familie eines Freundes. Dessen Opa hatte für den Jungspund anfangs nur ein mildes Lächeln übrig. „Immerhin bist du von der Straße“, lautete sein Kommentar. Doch Kaiser ließ sich nicht beirren. Er richtete sein Studium vollständig auf das Weiterentwickeln seiner Idee aus, überzeugte die Hochschule Kempten davon, ihn beim Bau einer Aluminiumausführung zu unterstützen. Sein Praxissemester absolvierte er in der auf Sportgeräte-Entwicklung spezialisierten Sportkreativwerkstatt in München, einem Ableger der dortigen Technischen Universität. In seiner Freizeit arbeitete Kaiser im Alleingang eine Patentschrift aus, suchte nach einem geeigneten Namen und entwickelte das passende Design.

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