Ozeanografie
Auf der Spur der Monsterwelle

Forscher haben eine Monsterwelle analysiert, die eine Nordsee-Ölplattform erschütterte - und sind dabei dem Mechanismus hinter den "Kaventsmännern" auf die Spur gekommen.
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HeidelbergAm Neujahrstag 1995 tobte ein heftiger Sturm im Umfeld der Draupner-Ölbohrplattform in der Nordsee und türmte riesige Wellen auf. Ein besonders mächtiges Exemplar schlug schließlich gegen die Stützpfeiler der Konstruktion – und lieferte mit einer Höhe von maximal 25 Metern den ersten Beleg für einen so genannten Kaventsmann, eine von Seefahrern gefürchtete Monsterwelle.

Ein Messinstrument vor Ort hatte seinerzeit die Wasserwand exakt aufgezeichnet. Nun analysierten Physiker um Thomas Adcock von der University of Oxford die damals erhobenen Daten nochmals, um herauszufinden, warum diese Welle überhaupt entstanden ist.

Bislang verfügten Wissenschaftler über mehrere Erklärungsansätze, wie sich die haushohen Wellen aufbauen. Demnach können sie sich bilden, wenn Stürme entgegen einer Meeresströmung blasen, schnellere Wellen langsamere einholen und diese dann überlagern oder wenn die Wassertiefe plötzlich abnimmt, so dass sich die Wellen quasi aufstauen.

Die Draupner-Welle verursachte aber offensichtlich ein anderer Grund: Hier überlagerten sich nach den Erkenntnissen von Adcocks Team Wellen in so genannter Kreuzsee.

Bei Kreuzsee treffen Wasserbewegungen in einem Winkel von etwa 90 Grad aufeinander und schaukeln sich hoch. Dadurch können höhere Wellen entstehen als bei „normalem“ stürmischem Seegang, doch exakte Belege für Kaventsmänner standen aus.

Das Auftreten kleinerer Wellen mit unterschiedlichen Laufrichtungen unterhalb des Draupner-Ereignisses spreche jedoch eindeutig dafür, dass damals Kreuzsee um die Plattform herrschte, aus der sich dann die Monsterwelle bildete - und nicht etwa aus der Überlagerung von langsameren und schnelleren Wellen, wie zuvor gedacht.

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