Paläontologie
Schrumpfkur für die Dinosaurier

US-Wissenschaftler wollen die Könige der Kreidezeit schrumpfen lassen: Ihre Untersuchungen lassen vermuten, dass die Riesenechsen deutlich weniger auf die Waage brachten als moderne Schätzungen den Tieren zubilligen. Manch ein Gigant war vielleicht nicht einmal halb so schwer.
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HB DÜSSELDORF. Gary Packard hat sich Großes vorgenommen: Der Wissenschaftler der Colorado State University ist überzeugt davon, dass unser Vorstellungen von Dinosauriern falsch sind. In Wahrheit, so seine These, waren die Giganten der Kreidezeit deutlich leichtgewichtiger als bislang angenommen. Schuld an der Fehleinschätzung trage ein fehlerhaftes Modell aus den 1980er-Jahren, mit dem das Körpergewicht der Saurier bestimmt wurde.

„25 Jahre lang haben Paläontologen ein statistisches Modell benutzt, um das Körpergewicht von Dinosauriern und anderen ausgestorbenen Großtieren zu bestimmen“, so Packard. „Indem wir die Originaldaten neu untersucht haben, konnten wir nachweisen, dass dieses Modell schwerwiegende Fehler aufweist.“

In seiner im Fachblatt „Journal of Zoology“ veröffentlichten Studie schlägt Packard ein neues Verfahren zur Gewichtsbestimmung vor. Es beruht auf dem Knochenumfang als wichtigstem Indikator für die Berechnung der Körpermaße. Um ihr Verfahren zu testen, berechneten die Wissenschaftler das Gewicht heute lebender Tiere und verglichen diese Werte mit denen, die sich mit dem alten Berechnungsmodell ergaben.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Beim heute lebenden Elefanten lag das alte Modell mit rund neun Tonnen um vier Tonnen über dem tatsächlichen Gewicht der Dickhäuter. Das neue Berechnungsmodell erbrachte mit rund sechs Tonnen einen wesentlich realistischeren Wert.

Für die Dinosaurier ergaben die Berechnungen von Packard und seinen Kollegen deutliche Gewichtsverluste. Besonders drastisch fiel die Korrektur beim Apatosaurus aus: Der gigantische Pflanzenfresser, der vor 150 Millionen Jahren die Erde bevölkerte, wog wohl „nur“ 18 Tonnen – immer noch eine beeindruckender Wert, doch weit entfernt von den 38 Tonnen, die ihm bisherige Schätzungen zubilligten. Auch bei anderen Saurierarten wie Diplodocus oder Styracosaurus liegen die Ergebnisse der US-Forscher deutlich unter den bisher angenommenen Werten.

Für die Erforschung der Dinosaurier könnten sich die Untersuchungen von Packard als extrem wichtig erweisen. Denn über das Gewicht lässt sich viel über die Lebensweise der Saurier ermitteln: Wie groß war ihr Futterbedarf? Wie gut konnten sie sich bewegen? Welche Feinde mussten sie fürchten? Auf solche und ähnliche Fragen könnten sich in Zukunft neue Antworten finden lassen.

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