Pannenursache Nummer eins
Software-Absturz im Auto-Cockpit

Elektronische Helferlein wie Antiblockiersysteme, Stabilisierungshilfen, Bremsassistenten und piepsende Einparkhilfen machen das Autofahren sicherer - aber auch anfälliger. Die immer komplexere Software in Autos ist mittlerweile Pannenursache Nummer eins.

HB FRANKFURT. Fehler in der Elektronik seien inzwischen für 55 % der Ausfälle verantwortlich, räumten Automobilhersteller und Softwareexperten zu Beginn der Fachtagung „Informatik 2003“ am Dienstag in Frankfurt ein. Hauptursache sei das mangelnde Zusammenspiel zwischen Systemen verschiedener Zulieferer.

Von 1998 bis 2001 sei die Zahl der Pannen, die durch fehlerhafte Software verursacht wurden, um 23 % gestiegen. Andere Ursachen hätten nur um 3 % zugenommen. Werde nicht schnellstens gegengesteuert, könnten softwarebedingte Pannen in zehn Jahren zwei Drittel aller Defekte ausmachen, rechnet die Gesellschaft für Informatik (GI) vor. Der in Bonn ansässigen Fachgesellschaft gehören 25 000 Informatiker an. An der 33. Jahrestagung der Gesellschaft nehmen bis zum 2. Oktober 850 Wissenschaftler und Praktiker teil. Im Mittelpunkt steht das Auto.

Für die Autoindustrie werde die Informatik immer wichtiger, bestätigt Ulrich Weinmann, Geschäftsführer der BWM Car IT GmbH. Der Markt für Automobilsoftware wird sich einer Studie der Unternehmensberatung Mercer zufolge bis 2010 auf 100 Mrd. € vervierfachen. Schon heute basierten 90 % aller Innovationen im Auto auf Software oder Elektronik. „In einem Oberklasse-Wagen sind heute 70 oder 80 elektronische Steuergeräte drin“, sagt Weinmann.

Ein zweischneidiges Schwert

Früher kurbelte der Fahrer das Autofenster von Hand hoch und runter, später übernahm das ein kleiner Motor, dann kam ein Sensor dazu, der verhindert, dass man sich die Finger einklemmt. Die Elektronikbauteile wurden nicht nur immer mehr, sondern auch immer komplexer. Das ist ein zweischneidiges Schwert: Zum einen macht Technik Autos sicherer und bequemer, zum anderen anfälliger.

Dank Klimaanlagen, Navigationssystemen und High-Tech-Stereoanlagen sind Autos für die Fahrer angenehmer geworden. Antiblockiersysteme (ABS), Stabilisierungshilfen (ESP), Bremsassistenten und piepsende Einparkhilfen haben den Verkehr sicherer gemacht. Einer Untersuchung des Center Automotive Research in Gelsenkirchen zufolge hat sich die Zahl der Personenwagen in den vergangenen 30 Jahren mehr als verdoppelt, die Zahl der Unfallopfer aber sank um 70 %. „Dies ist zu einem Gutteil auf Systeme wie ABS oder ESP zurückzuführen“, glaubt die Gesellschaft für Informatik und beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes und des ADAC.

Allerdings häufen sich auch die Systempannen. Prof. Heinrich Mayr, Präsident der GI, macht dafür eine fatale Koalition aus immer kürzeren Entwicklungszyklen und immer komplexeren IT-Systemen verantwortlich. „Bislang wird unterschätzt, dass der Entwicklungsprozess bei Software methodisch aufwendiger ist als in der Mechanik“, sagt er. „Wir sollten von den Ingenieuren lernen - auch was Gründlichkeit angeht.“ Er wünsche sich einheitliche Standards für alle Hersteller, Zulieferer und Programmierer.

Das würde auch bei einer Panne der Werkstatt die Arbeit erleichtern. Denn die ist nicht selten überfordert wegen der Vielzahl der Elektronikbauteile im Wagen. „Die Komplexität in der Automobil- Industrie ist dramatisch hoch“, sagt Erich Nickel, Direktor für Automobil-Software bei IBM. In einem undurchschaubaren Systemverbund sei es extrem schwer, festzustellen, wo der Fehler liege. Die Werkstatt tausche dann gerne mal die Steuergeräte aus und schicke sie ein. Doch der Hersteller kann am Einzelgerät keinen Fehler entdecken. „Das ist ineffektiv und viel zu teuer."

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