Patientensimulatoren verbessern die Ausbildung Intensivmedizin mit doppeltem Boden

Seite 2 von 2:

Der computergesteuerte Puls – der sich wie im echten Leben situationsbedingt verändert – lässt sich messen, an Handgelenk, Halsschlagader oder dem Brustbein. Wird Stan zwecks künstlicher Beatmung nicht sachgemäß intubiert, schwillt seine Zunge an oder er verliert seine Frontzähne.

Was Stan zudem von seinen preisgünstigeren Kollegen unterscheidet, ist sein Atem. Gespeist durch Druckflaschen mit CO2 und Stickstoff sowie das in jeder Klinik vorhandene Sauerstoffsystem, entspricht die chemische Zusammensetzung seiner Atemluft der eines echten Patienten.

Wer auf die Idee kommt, Stan wie bei einer echten OP aufzuschneiden, findet unter der Bauchdecke allerdings keine naturgetreu nachgebildeten Organe. Darunter sitzen vielmehr rechteckige Kabelinseln, aus denen unzählige Datenverbindungen in den im Nebenraum stehenden Steuerungscomputer führen. Und hier kommt der Mathematiker Semmel-Griebeler ins Spiel. Im Rahmen einer Doktorarbeit in angewandter Informatik begann er bereits vor Jahren sich mit der Simulation menschlicher Körperfunktionen zu beschäftigen. Finden im Simulationszentrum Mainz Schulungen statt, ist meist er es, der Stans Computer vom Nebenzimmer aus überwacht. Um die Schulung lebensecht zu gestalten, greift er auch mal zum Mikrofon und lässt Stan ein bisschen stöhnen, bevor die virtuelle Narkose den künstlichen Patienten eindämmern lässt.

Für die Schulungen am OP-Simulator hat der Anästhesist Heinrichs ein eigenes Hochschuls-Spin-off gegründet. Die Aqai GmbH bilde Jahr für Jahr zwischen 500 und 1 000 Ärzte und Pflegekräfte weiter, sagt er. Daneben wird das Angebot aber auch von seinen Studenten genutzt. Denn seit diesem Semester gilt eine neue Approbationsordnung für Ärzte. Sie soll die praktischen Aspekte des Studiums vertiefen. Gleichzeitig wird in diesem Herbst der Status des „Arzt im Praktikum“ (AiP) abgeschafft, so dass jeder Hochschulsabsolvent als Assistenzarzt eingestellt werden kann und damit eigenverantwortlich arbeiten muss.

Auf die neuen Anforderungen reagierte jetzt auch die Deutsche Gesellschaft für Anästhesie und Intensivmedizin (DGAI). Sie hat bei Meti gerade 30 OP-Simulatoren einfacherer Bauart geordert. Das aus Mitgliedsbeiträgen finanzierte Projekt zielt darauf ab, die deutschen Hochschulen flächendeckend mit künstlichen Patienten auszustatten.

Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%