Per Anhalter in die Galaxis
Columbus braucht Hilfe der Amerikaner

Das unter anderem in Bremen entwickelte europäische Forschungs-Labor „Columbus“ hat die erste Hürde auf dem Weg zur internationalen Raumstation ISS überwunden. In die Galaxis geht es dann allerdings per Anhalter.

HB BREMEN. Händeschütteln mit Astronauten und zum Abschied ein gemeinsamer Auftritt mit Grundschülern. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Sympathien auf ihrer Seite, als sie am Dienstag bei der Übergabefeier des europäischen Weltraumlabors „Columbus“ auf der Festbühne steht. Merkels Dank an die „Columbus“-Konstrukteure kommt in Bremen vor rund 1000 Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Raumfahrtindustrie gut an. Hinter den Ingenieuren aus zehn europäischen Ländern liegen zehn Jahre Forschung, Entwicklung und Bau des High-Tech-Labors - glänzende Erfolge und niederschmetternde Rückschläge inbegriffen.

Mit der Übergabe von „Columbus“ an die Europäische Weltraumorganisation ESA hat Europa zwar einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg ins All geschafft. Doch das Labor ist noch lange nicht am Ziel. Ende Mai fliegt es zunächst mit einem Airbus-Transporter von Bremen nach Florida. Von dort soll es im Herbst 2007 endlich mit einem US-Shuttle zur Internationalen Raumstation (ISS) starten. „Columbus“ ist auf die amerikanischen Raumfähren angewiesen. Nur diese können mit dem acht Meter langen und 4,5 Tonnen schweren Labor von der Erde abheben und eine Umlaufbahn von rund 400 Kilometern erreichen.

Immer wieder hatte die Weltraumbehörde NASA den internationalen Zeitplan auf Grund von Problemen an den Raumfähren durcheinander gebracht. Nun ruhen die Hoffnungen der Europäer vor allem auf dem nächsten Shuttle-Flug im Juli. Dann soll auch der deutsche Astronaut Thomas Reiter mehrere Monate in der ISS arbeiten und unter anderem die Ankunft von „Columbus“ vorbereiten. Der pünktliche Shuttle- Flugplan liegt auch der Kanzlerin am Herzen: „Falls sich noch eine Lücke ergibt, wir rücken auch gerne noch ein Stück weiter vor“, empfiehlt sie der stellvertretenden NASA-Administratorin Shana Dale.

Merkel als studierte Physikerin zeigt sich in Bremen beeindruckt von den europäischen Raumfahrtprojekten, und das kommt beim Raumfahrtkonzern EADS Space Transportation gut an. Die Kanzlerin hat dort ein Modell des Labors „Columbus“ besichtigt. Dabei lernte sie, dass die ISS bereits seit Ende 2001 permanent mit Astronauten besetzt ist und in 400 Kilometern Höhe mit einer Geschwindigkeit von 28 000 Kilometern pro Stunde die Erde umkreist.

Mit dem Hinweis auf „Columbus“ als Produkt „deutscher Spitzentechnologie“ macht Merkel auch Werbung für eine gezielte Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Nach Angaben der Kanzlerin werden in Deutschland jährlich 10 000 Ingenieure zu wenig ausgebildet. Für ein Land mit dem Selbstverständnis von Deutschland habe Technik in der Vergangenheit nicht den angemessenen Stellenwert gehabt. „Das muss sich wieder ändern.“

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