Perfekte Tarnung So tricksen Tintenfische Haie aus

Haie sind die gefährlichsten Jäger der Ozeane – selbst gut getarnte Beutetiere entgehen ihren Supersinnen nur selten. Nur Tintenfische scheinen eine effektive Abwehrstrategie gegen die Raubfische entwickelt zu haben.
Hai sind exzellente Jäger. Doch den Tarnkünsten der Tintenfische sind sie nicht gewachsen. Quelle: dpa
Weißer Hai

Hai sind exzellente Jäger. Doch den Tarnkünsten der Tintenfische sind sie nicht gewachsen.

(Foto: dpa)

HeidelbergTintenfische (Sepien) haben dank eines perfekten Tarnkleids nur wenige Fressfeinde zu fürchten. Bei drohender Gefahr verschwimmen sie durch Farbwechsel problemlos mit dem Hintergrund oder graben sich blitzschnell in den weichen Meeresboden ein.

Was gegen viele Raubfische schützt, hilft gegen Haie allerdings wenig. Denn die Raubfische verfügen über einen fein ausgeprägten Sinn für elektrische Felder, der sie zielsicher zur Beute führt – auf kurze Entfernung jedenfalls. Schon geringste Muskelaktivität, wie sie etwa für die Atmung notwendig ist, kann das Opfer verraten.

Begehrte Räuber
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Der Jäger der Meere ist längst zum Gejagten geworden. Das Geschäft mit dem Hai ist derart lukrativ, dass mehrere Haiarten bereits akut gefährdet sind. Doch wirkungsvolle Maßnahmen zum Schutz der Tiere scheitern immer wieder am Einspruch der internationalen Fischereilobby. Foto: ap

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Haie sind gefährliche Raubtiere, immer wieder kommt zu Attacken auf Surfer, Schwimmer oder Taucher. Das Risiko, von einem Hai angegriffen zu werden, ist allerdings deutlich geringer als etwa die Gefahr, durch Blitzschlag zu Schaden zu kommen. So verzeichnete die ISAF ( International Shark Attack File) für 2007 insgesamt 71 Hai-Attacken, ein Mensch wurde dabei getötet. Foto: rtr

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Dem stehen rund 100 Millionen durch den Menschen getötete Haie pro Jahr gegenüber. Ob Fleisch, Flossen, Haut, Knorpel, Leber oder Zähne - es gibt kaum ein Körperteil des Raubfischs, das sich nicht vermarkten lässt. Und die Gewinnspannen sind verlockend: Je nach Art des Materials steigt der Preis auf dem Weg vom Fisch zum fertigen Endprodukt um bis zu 7500 Prozent. Foto:

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Die Flossen sind vor allem auf dem chinesischen Markt gefragt. Die als gesundheitsfördernd angesehene Haifischflossensuppe hat sich nach Aufhebung eines unter Mao verhängten Verbots zu einem Statussymbol für reiche Chinesen entwickelt. In Hongkong, dem wichtigsten Umschlagplatz für Haifischflossen, werden bis zu 1500 Dollar für ein "Set" aus vier getrockneten Flossen bezahlt. Foto: rtr

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Auf dem Flossenmarkt mischen auch die Europäer kräftig mit: Laut Untersuchungen der Meeresschutzorganisation Oceana für das Jahr 2005 war Spanien mit 2,2 Millionen Tonnen getrockneter Flossen nach China zweitgrößter Lieferant für den Markt in Hongkong. Nach Schätzungen werden mit Haifischflossen weltweit pro Jahr 16 Milliarden Euro verdient. Foto: rtr

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In europäischen Küchen wird dagegen eher das Fleisch der Räuber geschätzt. Auf rund 100.000 Tonnen jährlich belaufen sich die Haifänge in der EU. Was nicht in den außereuropäischen Export geht, landet meist unter Pseudonym im heimischen Kochtopf: "Schillerlocke", "Kalbsfisch", "Seeaal" oder "Seestör" sind nur einige der Namen, unter denen Haifischfleisch angeboten wird. Foto: rtr

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Trophäe, Schmuckstück oder traditionelle Waffe: Auch die Zähne der Raubfische sind begehrte Handelsware. Foto: ap

Darauf haben sich Sepien jedoch im Lauf der Evolution eingestellt. Nähert sich ein Räuber, verringern die Tintenfische ihre elektrische Signatur auf ein Minimum und halten dafür sogar den Atem an. Entsprechende Beobachtungen hat nun eine Forschergruppe um Christine Bedore von der Duke University in Durham veröffentlicht.

Für ihre Studie zeigten die Wissenschaftler Tintenfischen der Art Sepia officinalis Videos sich heranpirschender Haie. Die Forscher beobachteten dabei das Verhalten der Tintenfische und zeichneten die Stärke des elektrischen Felds in unmittelbarer Umgebung der Tiere auf.

Sobald sich vermeintlich ein Hai näherte, erstarrten die Tiere und senkten ihre Atemfrequenz auf ein Minimum. Dadurch verringerte sich ihr elektrisches Feld um bis zu 89 Prozent.

Ob die Starre sie tatsächlich für Haie unsichtbar macht, überprüften die Forscher in einem weiteren Versuch an Schwarzspitzenhaien und Hammerhaien. Sie präsentierten den Raubfischen einen Elektroköder, der Tintenfischen ähnlich war. Erzeugte dieser ein elektrisches Feld der Stärke 30 Mikrovolt, wurde er etwa dreimal so häufig gebissen wie bei einer Feldstärke von nur sechs Mikrovolt.

Die Taktik des Einfrierens ist für den Tintenfisch äußerst effektiv, berichten die Forscher. Suchten sie stattdessen das Weite, dann erzeugten ihre kräftigen Fluchtbewegungen relativ starke elektrische Felder. Damit wären sie für Haie gut zu orten. Entkommen könnten sie ihnen dann kaum noch, denn Haie schwimmen wesentlich schneller als Tintenfische.

  • Bernhard Fleischer
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