Pharma-Konzerne versprechen mehr Lebensqualität für Diabetiker
Insulin gibt es bald auch zum Einatmen

Knapp sechs Millionen Diabetiker in Deutschland spritzen sich mehrmals täglich Insulin. Oft ist die Haut am Bauch völlig zerstochen. Die großen Insulin-Hersteller wollen den Piecks mit der Nadel nun überflüssig machen – mit Insulin zum Einatmen.

DÜSSELDORF. Aventis und Pfizer haben bei der Entwicklung kooperiert und können als erste ein solches Produkt anbieten: „Exubera“ soll im kommenden Jahr in den Apotheken sein – wenn es die Zulassung erhält. Die Diabetiker atmen hier das Insulin als Trockenpulver ein. Für die feine Zerstäubung sorgt ein patentiertes Inhalationsgerät. Der Wirkstoff gelangt dann über die Lungenbläschen ins Blut.

Auch die anderen großen Insulin-Hersteller sind davon überzeugt, dass es einen breiten Markt für die Neuerung gibt: Lilly und Novo Nordisk entwickeln ähnliche Produkte. Die Kombination aus Trockeninsulin und Inhalator soll nicht nur für viele Patienten die Lebensqualität erhöhen und die Hemmschwelle zum Einstieg in die Insulintherapie senken. Für einige Patienten käme die Injektion gar nicht in Frage, erklärt Mike Rulis von Novo Nordisk. „Sie haben eine Aversion gegen die Nadel oder Probleme mit der Haut. Für diese Zuckerkranken sind die Inhalatoren die erste echte Alternative.“

Seit vergangener Woche läuft für Exubera das Zulassungsverfahren bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA, ein Antrag bei der amerikanischen FDA soll demnächst folgen. Die klinischen Studien haben nach Unternehmensangaben belegt, dass Atem-Insulin genauso gut wirkt wie gespritztes.

Thomas Haak, als Chefarzt der Diabetesklinik in Mergentheim täglich mit der Diabetesbehandlung vertraut, hätte keine Bedenken, Insulin in der neuen Darreichungsform zu verschreiben: „Diese Technik ist meiner Kenntnis nach weit fortgeschritten“, sagt das Vorstandsmitglied des Berufsverbandes Deutscher Diabetologen. Ein Problem – dass den Entwicklern lange Schwierigkeiten bereitet hatte – war, dass die Insulin-Teilchen in dem Inhalat nicht fein genug waren. Die Aufnahme in den Körper funktionierte nicht zuverlässig. Inzwischen ist das Trockenpulver ausgereift. Studien haben gezeigt, dass Insulin über die Lunge so schnell ins Blut kommt wie mit der Spritze. Es gebe im allgemeinen keine Probleme mit Allergien, und das Präparat wirke auch bei Erkältung, sagt Haak.

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