Pharmaforschung
Wettlauf um bessere Krebstherapien

Zielgerichtete Wirkstoffe aus der Biotech- und Genomforschung sorgen für Bewegung in der Krebsforschung. Die Zahl der Zulassungen für völlig neue Wirksubstanzen nimmt zwar - trotz der sehr hohen Zahl an Forschungsprojekten - nur moderat zu. Dagegen gewinnt der Wettlauf von Medizinern und Pharmaunternehmen um neue Einsatzfelder für bereits zugelassene Medikamente an Intensität.

FRANKFURT. Im Fokus stehen dabei einzelne Therapiefelder, wie beispielsweise die Behandlung von Nieren- oder Darmkrebs, die von den Unternehmen als Türöffner für ihre neuen Wirkstoffe genutzt werden. Die neuartigen Wirkstoffe zielen auf spezifische Stoffwechsel-Prozesse in den Krebszellen und wirken daher im Prinzip differenzierter als die klassischen Chemotherapien, die grundsätzlich alle Körperzellen angreifen, die sich im Teilungsprozess befinden - also zum Beispiel auch Schleimhäute oder blutbildende Zellen. Als Vorteil der neuen Substanzen gilt daher, dass sie tendenziell geringere Nebenwirkungen verursachen als typische Chemotherapien und daher auch in Kombination mit diesen eingesetzt werden können.

Die ersten Vertreter der neuen Gruppe von Medikamenten kamen Ende der 90er Jahre auf den Markt. Seit Anfang des Jahrzehnts stellen sie etwa drei Viertel aller neu zugelassenen Krebsmedikamente und den Löwenanteil unter etwa 300 Wirkstoffen, die sich in klinischer Entwicklung befinden. Sie dürften nach Prognosen des Marktforschungsunternehmens IMS Health auch in den nächsten Jahren maßgeblich für ein starkes Umsatzwachstum bei Krebsmedikamenten von etwa 20 Prozent pro Jahr sorgen. Insgesamt wird sich der Markt dank der Neuentwicklungen bis Ende des Jahrzehnts auf bis zu 70 Mrd. Dollar verdoppeln.

Wie erfolgreich ein Wirkstoff im Einzelfall ist, entscheidet sich dabei häufig erst Jahre nach der Erstzulassung, wenn Folgestudien den Einsatz bei anderen Krebsarten oder in neuen Kombinationen geprüft haben.

Relativ positive Daten konnten in dieser Hinsicht Bayer und ihr amerikanischer Partner Onyx für ihr Nierenkrebsmedikament Nexavar präsentieren. Die durchschnittliche Überlebensrate von Leberkrebspatienten verlängerte dieser Wirkstoff um knapp drei Monate oder mehr als ein Drittel, was in der Behandlung von fortgeschrittenen Krebserkrankungen bereits als deutlicher Erfolg gilt. "Nexavar dürfte damit zum Referenz-Standard bei dieser Krebsart werden", schätzt Pharmaexperte Michael Leuchten von UBS.

Dieses Ergebnis erhöht aus Sicht von Fachleuten zudem die Chancen dafür, dass das Wirkprinzip von Nexavar geeignet sein könnte, bei einer Reihe weiterer Krebsarten zu greifen. Nexavar zielt darauf, molekulare Mechanismen in den Krebszellen zu blockieren, die Zellteilung anregen sowie das Wachstum von Blutgefäßen fördern. Das Wirkprinzip, so die Hoffnung der Bayer-Forscher, könnte damit auch in weit verbreiteten Krebsarten wie Lungenkrebs und Darmkrebs, Fortschritte bringen. Das alles muss allerdings noch durch größere klinische Studien bewiesen werden.

Seite 1:

Wettlauf um bessere Krebstherapien

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%