Pharmakonzerne haben mehrere neue Wirkstoffe mit dem Edelmetall in der Pipeline
Platin bekämpft hartnäckigen Krebs

Platin ist bisher vor allem Schmuckliebhabern ein Begriff. Doch der seltene und begehrte Rohstoff spielt auch in der Medizin eine wichtige Rolle. Er wird schon seit Jahren erfolgreich als Wirkstoff zur Behandlung von Krebs eingesetzt.

KÖLN. Das Potenzial des Edelmetalls in der Tumor-Bekämpfung ist jedoch nach Ansicht von Experten noch lange nicht ausgeschöpft. Die Pharmahersteller forschen zurzeit mit Hochdruck an neuen Wirkstoffen auf Platinbasis. „Es sind einige neue Wirkstoffe in der Pipeline, die etwa bei Prostatakrebs gute Heilungschancen versprechen“, sagt Marcus Nurdin, Geschäftsführer der International Platinum Association (IPA).

Besondere Hoffnungen setzen Mediziner auf Satraplatin, ein Mittel, das sich bereits in der so genannten Phase-III-Prüfung befindet. Es soll künftig Prostatakrebs-Patienten helfen, die bereits mit anderen Chemotherapien erfolglos behandelt wurden. Für solche Fälle gibt es derzeit keine zugelassenen Behandlungsmöglichkeiten.

Prostata-Krebs gehört bei Männern zu den häufigsten Krebsarten. Pro Jahr kommt es alleine in Europa zu 140 000 neuen Erkrankungen. 60 000 Patienten sterben jährlich an der Krankheit. Im Vergleich zu anderen platinhaltigen Medikamenten hat Satraplatin in der Verabreichungsform einen Vorteil: Es kann oral statt über Infusion verabreicht werden. Das Martinsrieder Pharma-Unternehmen GPC Biotech hat Satraplatin entwickelt. Die Firma erwartet eine Zulassung des Medikaments für das Jahr 2006, die Markteinführung soll dann 2007 folgen. Das Unternehmen geht von einem jährlichen Umsatzpotenzial von mehr als 500 Millionen Dollar aus.

Der Ursprung der Platin-Krebstherapie reicht auf das Jahr 1965 zurück. Damals machten Barnett Rosenberg und seine Mitarbeiter von der Abteilung Biophysik der Michigan State University bei einem einfachen Experiment mit Bakterien die entscheidende Entdeckung: Bei der Beobachtung des Bakterienwachstums unter dem Einfluss eines elektrischen Felds fiel auf, dass die Zellteilung überraschender Weise gehemmt wurde. Auslöser für dieses Phänomen waren Platinverbindungen, die sich aus den Platinelektroden und dem Kulturmedium durch Elektrolyse gebildet hatten. Diese Entdeckung ebnete den Weg für eine bis dahin völlig neue Klasse von Medikamenten zur Behandlung von Krebs. Bereits 1978 wurde in den USA mit Cisplatin das erste platinhaltige Krebsmedikament zugelassen. Diese relativ einfache Verbindung von Platin mit Chlor und Ammoniak wurde vor allem in der Behandlung von Hodenkrebs erfolgreich eingesetzt. Das Medikament hat auch Lance Armstrong geholfen, dem mehrfachen Sieger der Tour de France. Bei dem Profiradfahrer wurde im Oktober 1996 Hodenkrebs mit Metastasen in Lunge und Hirn diagnostiziert. Nachdem Armstrong zweimal operiert wurde, hat Cisplatin schließlich die Ausbreitung des Krebs an anderen Stellen im Körper verhindert.

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