Physik-Nobelpreis
Auszeichnung für Entdecker der Gravitationswellen

Es ist die höchste Auszeichnung für Wissenschaftler: Drei Amerikaner bekommen den Physik-Nobelpreis. Sie haben entscheidenden Anteil an der Entdeckung der Gravitationswellen – und öffnen damit einen Blick ins Universum.
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StockholmDer Physik-Nobelpreis 2017 wird den drei Amerikanern Rainer Weiss, Barry C. Barrish und Kip S. Thorne verliehen. Der gebürtige Deutsche Weiss erhält die eine Hälfte des Preises, die andere Hälfte teilen sich Barrish und Thorne. Sie erhalten den Preis für ihren „entscheidenden Beitrag für den LIGO-Detektor und die Entdeckung der Gravitationswellen“, heißt es in der Begründung des Nobel-Komitees.

Die Entdeckung der Gravitationswellen wurde am 14. September 2015 gemacht. Allerdings gaben die Wissenschaftler ihre Entdeckung erst im Februar vergangenen Jahres bekannt. Die Gravitationswellen, deren Existenz Albert Einstein bereits vor hundert Jahren vorhergesagt hatte, wurden am LIGO-Detektor in den USA nachgewiesen. Dort arbeiten mehr als 1000 Wissenschaftler aus mehr als 20 Ländern.

Die Gravitationswellen, die bei der Entstehung schwarzer Löcher und bei Explosionen von Sternen entstehen können, hatte Einstein bereits 1916 vorhergesagt. Durch den Nachweis erhoffen sich Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die Entstehung unserer Welt. Sie werden auch als Fenster zum Universum bezeichnet. Die jetzt ausgezeichneten Wissenschaftler haben seit fast 50 Jahren an dem Nachweis des Phänomens gearbeitet.

Rainer Weiss (85) wurde in Berlin geboren, floh aber mit seinen Eltern vor den Nationalsozialisten 1938 über Prag in die USA, wo er seitdem lebt und arbeitet. Der 81-jährige Barrish forschte am California Institute of Technology. Thorne (77) lehrte ebenfalls am California Institute of Technology in Pasadena.

Weiss, der den Anruf des Nobelkomitees mitten in der Nacht erhielt, schien die frohe Botschaft erwartet zu haben. „Mir geht's gut, ich war sogar angezogen als es klingelte“, sagte er am Telefon. Auch sein Kollege Barrish zeigte sich nicht überrascht, das er zusammen mit seinen Kollegen den Physiknobelpreis erhalten hat. „Ich stellte mir den Wecker, sodass ich wach war als der Anruf kam“, erklärte er gegenüber dem Schwedischen Radio. „Die Chance, dass wir ausgezeichnet würden, war relativ groß.“

Im vergangenen Jahr wurden die britischen Forscher David J. Thouless, F. Duncan M. Haldane und J. Michael Kosterlitz für ihre Arbeiten über exotische Materiezustände ausgezeichnet. Die Forschung der drei Physiker, die alle in den USA arbeiten, kann für die Materialwissenschaft und die Elektronik von großer Bedeutung sein. Vor zehn Jahren, 2007, hatte mit Peter Grünberg zuletzt ein deutscher Wissenschaftler den Physiknobelpreis erhalten.

Bereits am Montag waren die drei Amerikaner Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young für ihre Forschung zur Funktion der inneren Uhr mit dem Medizinnobelpreis ausgezeichnet worden.

Am Mittwoch folgt die Bekanntgabe des Chemienobelpreisträgers. Der Literaturpreisträger wird am Donnerstag präsentiert. Die Bekanntgabe des Friedensnobelpreisträgers findet traditionell nicht in Stockholm, sondern in der norwegischen Hauptstadt Oslo statt. Das hatte der Stifter des Preises, der schwedische Industrielle Alfred Nobel, in seinem Testament so verfügt. Am Montag folgt dann noch die Bekanntgabe des Wirtschaftspreises, der nicht von Nobel gestiftet wurde, sondern erst später dazu kam.

Dotiert sind die Auszeichnungen in diesem Jahr mit neun Millionen Kronen, rund 933.000 Euro. Sie werden am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, in Stockholm und Oslo überreicht.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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